Jetzt blühen sie wieder. Eine friedliche Armee von Frühlingsboten ist im Wolfstal bei Lauterach angetreten, um fröhlich den Frühling anzukündigen. Begleitet werden die leuchtend weißen Blumen von Pilzen, die so tapfer so tun, als wären sie nicht vom Aussterben bedroht und Farbe bekennen. Welche? Zinnoberrot.

Wer sie noch sehen will, muss in diesem Jahr wohl schon bald starten. Zum Beispiel auf eine Wanderung durch das Wolfstal, nach Erbstetten, an Burgruinen vorbei hinab nach Unterwilzingen und die Lauter entlang bis zur Laufenmühle und zum Ausgangspunkt.

In Lauterach zeigen Schilder den Weg zum Wolfstal und zum Biosphären-Infozentrum. Schon wenige Schritte vom Parkplatz entfernt beginnt das felsige Tal. Es begrüßt einen schon mit den ersten Märzenbechern. Und wer genau hinschaut, sieht vielleicht auch schon bald die zinnoberroten Kelchbecherlinge (die für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche wie mich auf unserer Tour häufig aus dem Schnee hervorgeleuchtet haben).

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Es sind tatsächlich Hunderte, Tausende, Abertausende, unzählbar viele Blumen, die am Rand des Weges bis hinauf in den Wald stehen und sich willig von den Menschen betrachten und fotografieren lassen. Wer an einem Wochenende kommt, sollte sich nicht wundern, dass neben den vielen Blumen auch viele Menschen unterwegs sind. Der frühe Wanderer genießt im Stillen…

Der Weg führt leicht ansteigend hinauf bis zu einem Wanderparkplatz.

IMG_5537Den Parkplatz kann man rechts liegen lassen und nach links Richtung Erbstetten wandern. Egal, ob man den Wiesenweg am Waldrand entlang nimmt oder dem asphaltierten Wirtschaftsweg folgt: Es ist eine schöner Abschnitt des Weges, der dann auf Höhe des Schullandheimes Vogelhof gekrönt wird von einem Gehege für Hirsche. Einfach nicht an Hirschgulasch denken, die Tiere in ihrer friedlichen Ausstrahlung genießen (sie lassen sich sogar streicheln) und dann weitergehen. Habe ich schon gesagt, dass man die reine Strecke locker in 3 Stunden „schaffen“ kann, das aber niemals schaffen wird…? Die Tiere und dann kurz darauf Unterwilzingen, ein Dorf, das wie aus dem Bilderbuch zu sein scheint. Überall gibt es etwas zu sehen, zu genießen…

Und das sind noch lange nicht alle Highlights! Rechts an der Kirche vorbei geht es durch das Dorf hinauf in den Wald. Dem Waldweg folgend in Richtung Ruine Wartstein lohnt es sich bis zum Heumacher-Felsen durchzuwandern. Denn hier öffnet sich der Blick über die Albfläche und – wenn man das richtige Wetter erwischt – bis zu den Alpen, die zum Greifen nah erscheinen!

Irgendwann muss man sich losreißen und da es auf der Höhe weitergeht und noch die eine oder andere Ruine auf der Wanderroute liegt, hofft man auf weitere Aussichten. Und wird nicht enttäuscht.

Die Ruine Wartstein besteht im Wesentlichen aus ein paar Mauerresten und einem modern anmutenden Turm: Auf den muss ich natürlich hinauf und oben in eisigem Wind kann ich natürlich wieder die Aussicht genießen!

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Die leztzten Bilder sind schon auf dem Weg zur Ruine Monsberg und zur Ruine St.Ruprecht, die am Weg oberhalb des Tales der Großen Lauter liegen. Von St. Ruprecht, einem Hügel, an dem man nur noch die Wallanlagen sehen kann, geht es auf steilem Weg hinunter auf den Talboden und dann bequem bis Unterwilzingen.

Spuren sieht man am Ufer der Lauter, die hier auch Teil eines Wassererlebnisweges ist.

Der Biber ist wieder im Tal der Großen Lauter angekommen und das sieht man auch. Es geht über einen Steg und am Anfang der Ortschaft über die Brücke zurück über die Lauter. An der Ecke steht ein verwilderndes Wegkreuz, das Anlass geben kann, über Gott und die Natur nachzudenken…

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Der weiße Fischreiher/Silberreiher ist ein besonderes Plus für diese Überlegungen über Gott und die Natur. Ich selbst bin immer wieder begeistert über die Schönheit, die mir an so vielen Stellen begegnet und die für mich den kreativen Geist bezeugen, der sie erdacht hat.

Der Weg führt weiter an der Lauter entlang und die Spuren des menschlichen Geistes werden sichtbar.

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Die Aquädukte (Wasser-Brücken) der Laufenmühle sind beeindruckend. Hier wurde mit Wasserkraft einmal Tuffstein gesägt. Heute lässt sich hier gut einkehren.

Jetzt ist es auch nicht mehr weit zurück zum Parkplatz und zu einem letzten kleinne Abstecher ins Wolfstal. Noch einmal kurz nachzählen, ob alle noch da sind…

Text und Fotos unterliegen dem Copyright. Verwendung nur nach vorheriger Genehmigung durch den Autor (c) David Andreas Roth.

 

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IMG_3000Interessiert es Gott denn gar nicht, wenn ich leide? Weiß er, wenn meine Lieben leiden? Gott leidet ja nicht. Er kennt das gar nicht. Das trennt ihn von uns, so könnte man meinen. Doch das stimmt nicht. Jesus hat alles durchlitten, was ein Mensch erleiden kann. Wie einsam wir auch sind, welche Bösartigkeiten und Schmerzen wir auch erleben – Gott kennt das. Jesus weiß, wie wir fühlen. Unser Schmerz, unser Leid und auch unsere Zweifel trennen uns nicht von Gott. Im Gegenteil. Er teilt sie mit uns. Er ist an unserer Seite.

Daran erinnern die Wochen bis zum Karfreitag. Gott selbst hat die schlimmsten Schmerzen und die tiefste Einsamkeit durchlebt und ist ganz elend und verlassen gestorben. Gott hat sich aus Liebe zu uns mit unserem Leiden verbunden.

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes:

(Das ist eine freie Übertragung eines Bibeltextes: Neues Testament, Brief an die Römer, Kapitel 8, Vers 38f.:)

Nichts! Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes! Weder Tod noch Leben, keine Kraft der Welt oder des Himmels, auch nicht die Sorgen um die Gegenwart und um das, was kommt. Nicht einmal die Mächte der Hölle könnten uns von der Liebe Gottes trennen.

In meinen bittersten und einsamsten Stunden habe ich angefangen zu beten. Und ich habe gespürt: Gott ist da, an meiner Seite. Er versteht. Und nichts trennt mich von ihm. Gar nichts.

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Dieser Text ist am 9. März 2019 als „Angedacht“ im Metzinger-Uracher Volksblatt und als „Kirchenwort“ im Alb Bote, beide Südwestpresse, erschienen. (c) David Andreas Roth – Veröffentlichung, auch in Teilen, nur nach Einwilligung durch den Autor.

Manche fragen mich das: Warum machst du so viele Beerdigungen? Bist du wirklich gern Trauerredner? Ist das nicht deprimierend?

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Ja, manchmal ist es deprimierend und ich bin froh, wenn ich von einem Trauergespräch oder einer Beisetzung zurückfahre und im Auto noch ein bisschen Zeit habe, um zu beten, mir das aufgenommene Leid von der Seele zu reden. Ich bin dankbar, dass ich oft spüren kann, dass Gott dann da ist. Und ich meine immer wieder, dass er mich bestätigt und mir sagt: „Das ist gut, dass du mitfühlst. Das ist richtig, dass du nicht abstumpfst. Wenn es so weit kommt, dass du nichts mehr empfindest, dann musst du aufhören.“  Und er nimmt mir die Belastung.

Meist bin ich aber einfach und gern Trauerredner. Denn oft bekomme ich natürlich auch Bestätigung von den Angehörigen, Freunden und Trauergästen. Eigentlich ist es schon ein Lob, wenn die Menschen auf dem Friedhof „Auf Wiedersehen“ zu mir sagen – denn sie kennen mich ja meist nur als den, den man auf dem Friedhof trifft.

Ein wirklich großes Lob ist es, wenn ich gefragt werde, ob ich mit der Verstorbenen oder dem Verstorbenen schon lange befreundet war. Dann weiß ich, dass ich im Trauergespräch gut zugehört habe, in dem ich das erste Mal etwas über diesen Menschen erfahren habe.

IMG_8140 (1)Die Beisetzung ist ein sehr wesentlicher Schritt für die meisten, die Abschied nehmen müssen, doch so wichtig die Trauerfeier auch ist, das Trauergespräch im Vorfeld ist manches Mal der Punkt, an dem die wirklich wichtigen Dinge für die nächsten Menschen des Verstorbenen passieren: Sie schauen hinter eine Zeit der Pflege zurück auf den lebensfrohen Menschen, sie werden sich bewusst, welche Prägung sie mitbekommen haben, sie gehen einen Schritt in Richtung Versöhnung oder werden sich bewusst, über was alles nie geredet wurde…

Ich bin immer dankbar, wenn ich nach so einem Gespräch verabschiedet werde mit den Worten: „Jetzt ist mir leicher!“ oder „Ich hatte Angst vor dem Gespräch, aber wir konnten ja sogar miteinander lachen – das wäre ganz nach seinem Geschmack gewesen…“

Ich bin bin froh und dankbar, wenn es gelingt, dass das Leben, um das es geht, und der Mensch, um den es geht, gewürdigt werden.

Mein bisher eindrücklichstes Lob habe ich von einem gestandenen Mann ohne Hang zur Sentimentalität bekommen: „Herr Roth, nach unserem Gespräch habe ich gesagt: Jetzt habe ich meine Mutter wieder!“

Da habe ich fast geweint vor Glück.

img_4621Der 6. Januar ist der Tag, an dem die gefeiert werden, die auf der Suche sind und gar nicht wissen, was sie suchen: Die heiligen drei Könige, also die Menschen, die dem Stern gefolgt sind.

Sie sind „Menschen wie du und ich“. Sie suchen nach Gott in einer gottlosen Welt. Aber sie wissen es nicht einmal. Sie suchen nach dem, der Licht ist in der Dunkelheit. Sie suchen nach dem, der Liebe ist. Aber sie wissen es nicht einmal.

Sie sind zu schnell mit ihren Antworten. Sie meinen, dass sie die Antworten da finden, wo Erfolg und Macht und Geld zusammenkommen.

Sie werden enttäuscht von Erfolg und Macht und Geld. Doch die Suche geben sie nicht auf. Und so kommen sie zum Stall, zu Jesus, zu Gott. Gott überrascht sie.

Sie finden das Licht der Welt und die Liebe Gottes. Der 6. Januar ist der Tag, an dem die gefeiert werden, die auf der Suche sind und gar nicht wissen, was sie suchen.

Wir, du und ich, wir suchen nach Licht und Liebe. Wir suchen nach Gott in einer gottlosen Welt. Gib nicht auf. Gott überrascht uns. Er lässt sich finden. Und die Fragenden werden feiern.

Dieser Beitrag erschien als Angedacht am 5. Januar 2019 in der Südwestpresse / Metzinger-Uracher Volksblatt. Verwendung und Veröffentlichung, auch in Auszügen nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

 

Psalm von David. Rhythmisch zu sprechen. Für eine Beerdigung geschrieben, bei der die Hoffnung bleibt, dass das Leben hier nicht alles ist. Es darf nicht alles sein. Gott schenke Versöhnung, die kein „zu spät, leider bist du jetzt tot“ kennt.

Das ist der Kern des christlichen Glaubens.

Als alle Welt der Meinung war, die Welt wäre nicht mehr zu retten, wäre in den Ketten der Schuld und man könne wetten: Gott hat keine Geduld.

Da kam Gott selbst herab, das ist ganz knapp, die Geschichte von der Krippe, vom Kreuz, an dem er starb und von dem leeren Grab.

Die Krippe: Das Baby, das Baby Jesus, das uns zeigen sollte, was Gott wirklich wollte: Liebe sein und Liebe geben und Leben geben, Leben in Ewigkeit.

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Das Kreuz: Was du auch tust, was du getan hast, was du vertan hast, was du verspielt, verpeilt, verkracht, verpasst hast, all das: hängt mit Jesus am Kreuz wird mit ihm getötet und für ungültig erklärt. Alle Schuld gekreuzigt, schon vor der Tat verjährt.

Das Grab ist leer: Das heißt, dass Jesus nach dem Tod wieder lebt und sagt, dass am Ende die Versöhnung steht, dass er ans andere Ufer geht und uns erwartet in dem Garten, der „Paradies“ als Namen trägt.

Wir sehen uns wieder und können darauf hoffen – das letzte Wort wird Liebe sein und der Himmel ist offen. Krippe und Kreuz und Grab zeigen, was Gott wirklich und schon immer wollte: Liebe sein und Liebe geben und Leben geben, Leben in Ewigkeit.

Das ist der Kern des christlichen Glaubens. Es ist nicht zu spät. Nichts ist vorbei. Wir sehen uns wieder!

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt (c) David Andreas Roth. Veröffentlichung nur nach vorheriger Einwilligung durch den Autor.

November – und ich denke an Nachtisch.

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Ich denke an den kleinen Löffel, der oberhalb des Tellers liegt. Bei jedem Biss habe ich dieses Zeichen im Blick. Und wenn es auch schmeckt – ich weiß: Das Beste kommt noch.

November – und viele denken in dieser Zeit über Sterben und Tod nach. Ich auch. Aber ich kann die kleinen Zeichen von Gottes Liebe in meinem Leben entdecken. Und wenn ich auch gerne lebe – ich weiß: Das Beste kommt noch!

Hier ist so Vieles noch unvollkommen, so Vieles ist schön, aber begrenzt. Nach dem Tod wird es vollkommen sein. Das Schöne wird unendlich sein. Hier ahne ich, hoffe, glaube, dass Gott es wirklich gut mit uns meint und alles gut wird. Dort werde ich es sehen und wissen.

löffel2Ja! Jedes noch so kleine Zeichen will ich aufnehmen, im Blick behalten. Es macht mein Leben heller in der grauen Zeit des Jahres, wenn ich weiß: Das Beste kommt noch!

Dieser Beitrag wurde als „Angedacht“ veröffentlicht am 3. November 2018 in der Südwestpresse Metzinger-Uracher Volksblatt. (c) David Andreas Roth. Veröffentlichung, auch in Auszügen, nur nach Freigabe durch den Autor. Die Bilder sind von der empfehlenswerten Seite http://www.unsplash.com

Liebe macht den Unterschied – auch bei den Religionen

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Ich würde mir das so wünschen, dass wir alle an denselben Gott glauben! Manche sagen das ja. Es ist ja sowieso derselbe Gott, an den wir alle glauben! Das macht doch keinen Unterschied!

Ich fände das schön. Wirklich. Es würde so Vieles einfacher machen. Egal ob man nun Hindu oder Christ, Moslem oder Jude ist – alles gleich. – Doch das stimmt leider nicht.

Ich persönlich habe verschiedene Religionen für mich miteinander verglichen, habe ihre heiligen Bücher gelesen und spreche so gern mit denen, die anders glauben als ich. Fast immer kann ich etwas lernen. Denn Weisheit ist in allen Religionen zu finden.

Was mich mit Leidenschaft an meinem christlichen Glauben festhalten lässt ist die Erkenntnis, dass ich nur hier Gott als Vater im Himmel habe. Der Gott, der mich liebt und der mir entgegenläuft, egal welchen Mist ich gebaut habe – den habe ich nirgends sonst gefunden. Weil Gott Liebe ist.

Nirgends sonst habe ich auch gefunden, dass Gott seinen Kindern, den Menschen, so umfassend und gerne vergibt. Für mich war das immer so selbstverständlich: Wir machen Fehler, aber Gott vergibt gerne, wenn wir ihn darum bitten…

Doch das ist nicht selbstverständlich. In anderen Religionen konnte ich das einfach nicht spüren. Es ist etwas Besonderes. Uns wird vergeben. Und wir sollen diese Vergebung auch an andere weitergeben. Weil Gott Liebe ist.

IMG_6072Nirgends sonst, in keiner anderen Religion, ist die Liebe so im Mittelpunkt wie im christlichen Glauben. Nirgends sonst ist sie mir so wichtig gemacht worden. Die oberste Regel ist nicht, dass ich Gott gehorchen soll. Ich soll ihn lieben! Von ganzem Herzen, mit all meiner Kraft und mit ganzer Seele. Und ich soll meinen Mitmenschen lieben. So wie mich selbst auch. Das ist das Wichtigste. Liebe ist das Wichtigste. Weil Gott Liebe ist.

Ich fühle mich verbunden mit allen Gottsuchern auf der Welt. Aber ich weiß: Mein Glaube ist anders als der Glaube in anderen Religionen. Wir haben nicht alle denselben Gott. Wir suchen denselben Gott. Ich halte fest an dem, den ich als Christ kenne. Warum? Weil er Liebe ist.

Dieser Beitrag wurde am 26. September 2018 als Abendgedanke auf SWR4 gesendet. (c) David Andreas Roth
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