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„Eid mubarak“ heißt „Ein gesegnetes Fest!“ Das ist der Gruß zum Zuckerfest, das in diesen Tagen den Fastenmonat der Muslime abschließt. Einen Monat haben die gesunden Erwachsenen tagsüber nichts gegessen. Wer es sehr ernst genommen hat, hat viel im Koran gelesen und sich Zeit zum Gebet genommen. Als Christ achte ich diese Disziplin und weiß: Wir alle suchen Gott. Das verbindet.

Ich weiß auch: Wir suchen denselben Gott. Aber wir glauben nicht an denselben Gott. Es ist christlicher Glaube, dass Gott einen Sohn hat. Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass Jesus für unsere Schuld gestorben und dann auferstanden ist. Jesus Christus kam in die Welt, damit wir vor Gott als gerecht bestehen können, nicht durch religiöse Pflichterfüllung, sondern aus Gnade, also durch Liebe ohne Gegenleistung. Die Vergebung durch Christus macht christlichen Glauben aus: Die Liebe Gottes befreit Menschen, die dann ebenfalls vergeben und lieben.

Das kennt der Islam nicht. Doch die Suche nach Gott verbindet. Muslime und Christen, die es ernst meinen, wissen: Gott zeigt sich selbst, wenn man ihn ernsthaft sucht. Das ist „Segen“, also „Seine Sache“. In diesem Sinne: Eid mubarak, ein gesegnetes Fest!

Dieser Beitrag ist am 23. Mai 2020 in der Südwestpresse, Metzinger-Uracher Volksblatt / Alb Bote erschienen. Verwendung, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

Verzicht aus Achtung vor dem Leben? Dafür gibt es große Vorbilder im ganz alltäglichen Leben.

*Namen und einige Informationen zum Umfeld sind geändert, um die realen Personen zu schützen.

Annemarie* hat auf Vieles im Leben verzichtet, aber nie die Freude am Leben verloren. Verzichten muss ich auch gerade auf einiges. Und das macht sie gerade jetzt zu einem Vorbild für mich. Viele haben sie bewundert, obwohl sie ein ganz einfaches Leben geführt hat. Oder gerade deshalb.

Jesus sagt einmal: „Seid darauf gefasst: Es gibt solche, die jetzt noch zu den Letzten zählen; die werden dann die Ersten sein.“

Annemarie kam tatsächlich 1939 als sechstes und letztes Kind ihrer Eltern zur Welt. Der Vater verdiente nicht viel, die Mutter arbeitete auf dem Acker und im Garten und versorgte die Familie so gut es ging. Annemaries Vater starb an den Folgen seines Kriegseinsatzes und spätestens da war es klar, dass für das intelligente, junge Mädchen keine Berufsausbildung in Frage kam. Sie ging in die Schweiz, doch als die Mutter schwer krank wurde, war sie wieder da. Und blieb. Und pflegte ihre Mutter, versorgte sie. Die anderen Geschwister waren weit fort vom Dorf, waren verheiratet und mit so ganz anderen Dingen beschäftigt und so hat Annemarie nicht nur zugunsten ihrer Mutter auf manches verzichtet, sondern auch für ihre Geschwister.

Sie war selbstbewusst, sah gut aus, konnte außerdem anpacken. In der Fabrik, in der sie Arbeit fand, war sie unter all den Männern die einzige Frau, die im Akkord die Maschinen bedienen konnte. Und natürlich gab es Männer, die sich für die eigenwillige, starke Frau interessierten. Und natürlich verliebte sie sich auch. Doch für sie war klar: „Nicht ohne meine Mutter!“

In der Fabrik hätte sie aufsteigen können. Doch das Angebot kam in einer Zeit, in der die Krankheit ihrer Mutter sich durch einen Schub dramatisch verschlimmerte. Sie verzichtete auf die besser bezahlte und körperlich weniger anstrengende Stelle.

Annemarie konnte über viele Jahre nicht frei über ihre Zeit verfügen. Sie hat bewusst für ihre alternde und schwache Mutter das Leben so lebenswert wie möglich gestaltet. Am Geburtstag und an Weihnachten lud sie im Namen ihrer Mutter alle ein und gestaltete alles so wie die es wünschte. Im Garten um das Haus setzte sie fort, was ihre Mutter begonnen hatte. Sie selbst pachtete sich ein kleines Grundstück, zu dem sie radelte, um dort das anzupflanzen, was ihr gefiel. Sie hatte ihre Freundinnen und ihre Hobbys. Es war kein bitterer, sondern ein selbstbewusster Verzicht aus Achtung vor dem Leben. Jahrzehnte hat sie ihre Mutter gepflegt, das Leben mit ihr geteilt und ihr die Würde bewahrt.

„Es gibt solche, die jetzt noch zu den Letzten zählen; die werden dann die Ersten sein.“ – Für mich jedenfalls ist Annemarie gerade jetzt ein Vorbild geworden für selbstbewussten Verzicht aus Achtung vor dem Leben.

Dieser Text wurde am 16. Mai 2020 auf SWR1 (Anstöße) und auf SWR4 (Morgengedanken) gesendet. Verwendung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

Sorgen lassen sich „in diesen Zeiten“ nicht vermeiden. Wie macht man es aber richtig? Zwei Gedankenanstöße dazu…

Ich fände es schön, wenn wir uns richtig Sorgen machen. Dafür gibt es Vorbilder. Die Familienmutter, die sich in den vergangenen Wochen Sorgen gemacht hatte, dass sie und ihre Kinder infiziert werden könnten. Und dann hat sie festgestellt: Sie ist nicht wirklich bedroht. Für sie und die Kinder geht es nicht um Leben und Tod. „Ältere mit Vorerkrankungen“ sind viel mehr gefährdet. Und seitdem hat sie ihre 73jährige Nachbarin ein bisschen mehr im Blick und übernimmt das Einkaufen für sie. Das ist „richtig Sorgen machen“.

„Sorgt euch darum, dass eure Namen im Himmel notiert sind“, so hat Jesus einmal gesagt. Im Himmel sind die Namen der Menschen bekannt, die „Kranke besuchen, Hungrigen zu essen geben, Gefangene besuchen“. Sagt Jesus. Warum? Nun, wenn alle sich um das Wohl der Schwächeren sorgen, dann ist das jetzt schon der Himmel auf Erden. Dann ist es auch kein Wunder, wenn der Himmel davon Notiz nimmt. Deshalb: Wenn schon Sorgen, dann richtig. Geht doch.

Dieser Text ist am 14. März 2020 als „Angedacht“ und „Kirchenwort“ in der Südwestpresse (Metzinger Volksblatt / Alb Bote) erschienen. (c) David Andreas Roth – Veröffentlichung, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich mit dem Glauben einfach schwertun? Ein Beitrag in der Südwestpresse – Metzinger Volksblatt / Alb Bote am 11. Januar 2020

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich mit dem Glauben einfach schwertun? Das kann ja Gründe haben, ganz unterschiedliche Gründe. Es gibt aber auch Menschen, die sich mit dem Glauben „an sich“ und ohne besondere Gründe schwertun. Zu viel Gefühl, zu wenig Kontrolle. Zu viel „Gedöns“, mystisch-mythisches Gewaber, zu viel Gerede und Text und zu wenig Realitätssinn.

Der Soziologe Max Weber und der Philosoph Jürgen Habermas haben sich selbst als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet. Wie bei der Musikalität waren sie der Meinung, man müsse eine „Begabung“ dafür haben, religiös zu sein, sich dem Gottvertrauen zu öffnen.

Es wundert sicher niemand, wenn ich sage: Das stimmt nicht. Nach meiner Erfahrung gibt es unendlich viele Möglichkeiten, den eigenen Glauben zu leben. Übrigens sogar in der Kirche, auch wenn das vielleicht im ersten Moment gar nicht so „religiös“ aussieht. In praktisch-pragmatischer Hilfeleistung, mit einer Spende, durch einen Baueinsatz oder die Vermietung einer Wohnung an Menschen, die sonst vielleicht keine bekämen, im Ferientagheim, beim Maultaschenessen oder bei Metzingen chauffiert…

In einem Kinderlied, das ich sehr mag, heißt es: Wer nicht singen kann, der summt halt, wer nicht summen kann, der brummt halt, wer nicht brummen kann, der klatscht halt. HAUPTSACHE, DU BIST DABEI!

Am Anfang eines neuen Jahres kann man auf unterschiedliche Art zurück und nach vorne blicken. Wichtige Sätze, markante Worte sind für mich eine Möglichkeit. Ich habe mich gefragt: Was war für mich der Satz des Jahres?

„Man lässt keine Menschen ertrinken, Punkt.“ Das ist für mich der wichtigste Satz des Jahres 2019. Pastorin Sandra Bils hat ihn auf der Abschlussveranstaltung des Kirchentages in Dortmund gesagt. Es kann nicht sein, dass Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken und andere Menschen schauen dabei zu. Natürlich kann man über den richtigen Umgang mit Fluchtursachen und über die Ausgestaltung des Asylrechts streiten. Das kann und das darf man. Aber man lässt keine Menschen ertrinken, Punkt.

So einfach ist das. Der Satz ist keine Theorie, sondern Nächstenliebe, also Menschlichkeit, Punkt. Und der Satz wird zur Tat: Die Evangelische Kirche hat zusammen mit vielen anderen Organisationen alles auf den Weg gebracht, damit voraussichtlich ab Ostern ein weiteres Schiff im Mittelmeer Menschen vor dem Ertrinken rettet. Man lässt keine Menschen ertrinken. Das könnte auch der Satz des Jahres 2020 werden. Punkt.

Ach ja: Sätze kann man viele machen. Was ist Ihr Satz der Nächstenliebe im Jahr 2019 gewesen? Wie kann er 2020 zur Tat werden?

Dieser Beitrag wurde am 4. Januar 2020 im Reutlinger Generalanzeiger (GEA) in der Rubrik „Auf ein Wort“ veröffentlicht. Veröffentlichung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Zustimmung des Autors (c) David Andreas Roth.

Es gibt sie noch, die Hoffnung! Wie gut das ist!

Es gibt sie noch, die Hoffnung! Ich komme auf über 100 Beerdigungen jedes Jahr, weil ich nicht nur als Pastor, sondern auch als Beerdigungsredner Menschen bei Trauerfeiern begleite. Und fast immer sind da Angehörige, Freunde, geliebte Menschen, die auf ein Wiedersehen hoffen. Das Lied „Amoi seg ma uns wieder“ von Andreas Gabalier wird für jede dritte Beerdigung herausgesucht.

Warum? Weil wir die Hoffnung brauchen, dass es auf der anderen Seite des Todes weitergeht. Ich bin so froh, dass diese Hoffnung nicht nur Wunschdenken ist. Seit hunderten von Jahren haben wir eine begründete Hoffnung, dass wir uns wiedersehen, auch wenn wir durch den Tod getrennt wurden.

„Da ist noch niemand zurückgekommen“, sagt man manchmal leichtfertig vor sich hin. Doch das stimmt nicht. Es gibt eine Ausnahme. Jesus ist zurückgekommen aus dem Tod. Und bevor er dann zurückgekehrt ist zu seinem Vater in den Himmel, hat er der Hoffnung auf ein Wiedersehen einen Grund gegeben: „Ich gehe zurück und ich bereite für euch einen Ort vor, an dem ihr wohnen werdet.“ Wenn es einer wissen kann, dann Jesus.

Wer darauf hofft und ihm vertraut, der wird es erleben. Amoi seg ma uns wieder! Es gibt sie, diese Hoffnung.

Dieser Beitrag erschien am 23. November 2019 in der Südwestpresse Metzinger-Uracher Volkslbatt / Alb-Bote. Verwendung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Zustimmung des Autors (c) David Andreas Roth

Poetry-Element der Predigt beim Jugendgottesdienst CrossPoint am 29. September 2019

Bring dich nicht um. Das Leben, das Leben bringt dich nicht um.

Bring dich nicht um, bring dich nicht um das Leben: es ist gar nicht so daneben, es kann dich sogar erheben, das Leben, das da noch kommt. Bring dich nicht um das Leben, weil eben mal etwas nicht glückt, nicht um das Leben, das Streben nach Glück, nimm nicht den Strick, das Messer, das Hochhaus. Nimm dir Zeit, gib dir Zeit. Und es wird Leben geben, weil Gott dir Leben gegeben hat.

Bring dich nicht um, bring dich nicht um das Leben, das Kämpfen und Leiden, den Schmerz. Bring dich nicht um das verbitterte Schluchzen und ein gebrochenes Herz. Bring dich nicht um das alles. Wer sich so das Leben nimmt, nimmt nicht das Leben, sondern nimmt den Tod. Und der Tod ist echt das Letzte.

Und: du nimmst nicht nur dir das Leben weg, sondern denen, die dich lieben, die dir zutrau‘n zu siegen, über Hürden zu fliegen.

Ihr Leben bekommt diesen Schatten, weil sie ahnen, was sie nie hatten, das Leben mit dir, doch du bist weg, dachtest, ihre Liebe hat keinen Zweck, nahmst dir und ihnen das Leben weg.

„Den eignen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der andern muss man leben.“*

*Ein Zitat von Mascha Kaléko

Bring dich nicht um – das Leben. Das Leben bringt dich nicht um.

Das Leben ist wunderbar und fürchterlich, ist wundersam und widerlich, ist grässlich, hässlich, unzuverlässig, gehässig und stressig. Und: Es ist so geil, weil allgemein und im Detail dein Style der Teil ist, der im Leben eines anderen den Unterschied machen kann, dass er wie bei einem munteren Lied lachen kann. Sei nicht so eingebildet egoistisch, nicht so unrealistisch, als sei dein Leben nicht wichtig.

Dein Leben ist eine Segen. Von Gott gegeben.

Der Tod ist echt das Letzte, was irgendjemand von dir braucht.

Gott mit dir. Lebe!

Bring dich nicht um das Leben. Das Leben bringt dich nicht um.

Sei lieb, sei nett, sei unbequem. Sei dünn, sei fett, sei auch extrem. Sei wie du bist. Dein Leben ist ein Segen. Von Gott gegeben.

Verwendung nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

„Warum“ schaut nach hinten, „Wozu“ nach vorn. Das „Wozu“ ist wichtiger, auch wenn beides wichtig ist

Als ich ganz unten war, am Boden zerstört und von Gott verlassen, da hat es mir geholfen, dass Jesus am Kreuz geschrien hat: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Ich habe gespürt, dass Jesus, Gottes Sohn, an meiner Seite ist, wenn ich nur noch diese eine Frage habe: „Warum sehe ich nicht, dass Gott irgendetwas tut?“

Ich brauche ihn doch, wenn alle gegen mich sind. Ich brauche ein Wunder, wenn andere oder ich selbst todkrank werden. Ich brauche Gottes Antwort, ein Zeichen, etwas Eindeutiges, wenn meine Sorgen überhandnehmen.

Aber „Warum“ ist ein schwieriges Wort. Es hat die Macht, mich in die Vergangenheit schauen zu lassen: Warum habe ich nicht früher gesagt, dass ich das nicht will? Warum habe ich mich nicht gesünder ernährt und auf das Rauchen verzichtet? Warum hat der, der mein Freund sein sollte, mir das angetan?

Manchmal hilft die Frage, weil ich eine Antwort finden kann: Ich bin in diese Situation gekommen, weil ich viel zu schnell Erfolg wollte. Ich habe Streit bekommen, weil ich dem anderen meine Meinung aufzwingen wollte. Ich bin krank geworden, weil ich zu wenig auf meinen Körper geachtet habe. Mit solchen Antworten kann ich versuchen, es das nächste Mal besser zu machen.

Oft gibt es aber keine Antworten. Und die Frage nach dem „Warum“ geht ins Leere. Ein Sprachwissenschaftler hat mir einmal erklärt, dass Jesus am Kreuz gar nicht mit diesem Blick nach hinten gefragt hat. Vielmehr habe er die Frage in die Zukunft gewendet, so müsse man übersetzen: „Mein Gott, zu was hast du mich verlassen?“ Zu was: also wozu. Das ist die Frage nach dem Sinn. Das ist die Frage, wie etwas Gutes aus dem Bösen entstehen könnte.

Seitdem ich das gehört habe, frage ich immer noch: „Warum?“. Aber wenn ich zu keinen Antworten komme, ändere ich die Frage und frage: „Wozu?“.

Wozu kann es gut sein, dass ich diese schweren Zeiten durchgemacht habe? – Und ich spüre, dass ich anderen in ähnlichen Situationen Mut machen kann: Die Welt wackelt, aber sie bricht nicht zusammen.

Wozu kann es helfen, wenn ich im Streit bin mit diesem Menschen? – Und ich merke, dass es niemandem hilft und fange an, darüber nachzudenken, wie ich vergeben kann.

Zu was kann es gut sein, dass ich so krank bin? Vielleicht ja, weil Krankheitszeiten besondere Begegnungszeiten mit Gott und dem ewigen Leben sind?

Das „Wozu“ hilft mir. Nicht immer, aber immer wieder.

Dieser Beitrag wurde am 25. September 2019 als SWR4-Abendgedanke gesendet. Veröffentlichung, auch in Auszügen, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth.

Schule hat begonnen – wie man Kinder segnen kann

„Da, wo andere ihren Kopf haben, da habe ich nur Kopfsalat!“ – Tom ist Schüler, 15 Jahre alt und nicht zufrieden mit sich. Er ist nicht begeistert davon, dass für ihn jetzt wieder die Schule losgegangen ist.

Seit zwei Wochen heißt es wieder früh aufstehen, andere Menschen treffen, und, ja, auch etwas lernen. Es heißt auch streiten, spielen, Sport machen, sich freuen, sich verlieben vielleicht, sich aufregen, ein bisschen Angst haben, Niederlagen einstecken und wunderbare Erfolge feiern. Schule eben. Die ist eigentlich doch zum Lernen da. Aber manchmal ist so vieles mindestens genauso wichtig, wenn man 15 ist oder 16.

„Da, wo andere ihren Kopf haben, da habe ich nur Kopfsalat!“ Ich habe gemerkt, dass ich das schon fast vergessen hatte. Ich hatte in der Schule auch solche Phasen. Manchmal waren das sogar lange Phasen.

Aber kann man da was machen? So viele Eltern, Großeltern und andere, die das Leben von jungen Menschen begleiten in Schule und Ausbildung, würden manchmal gern etwas tun. Doch in die Schule gehen die Jungen ja selbst und in der Regel allein. Und mit schimpfen und Druck erreicht man wenig.

„Da hilft nur noch Beten!“ – finde ich manchmal. Aber wie soll ich beten? Vielleicht ja so, dass man den anderen mit guten Gedanken umgibt. Das kann ein Segen werden.

Gott segne deinen Kopf.

Gott segne dich mit Verstand, um zu verstehen. Er schenke dir ausreichend Schlaf und Wachheit im richtigen Moment, damit du merkst. Gott lasse dich lernen wie du dir merkst, was du merkst. Gott segne deinen Kopf.

Gott segne deinen Kopfsalat,

wenn alles durcheinander geht. Wenn du viel zu müde, viel zu blöd, viel zu verspielt oder viel zu verliebt bist, um zu lernen: Gott schenke dir Menschen, die dich nicht beurteilen und schon gar nicht nach deinen Noten. Gott segne deinen Kopfsalat.

Gott segne dein Herz.

Mitten drin in all dem Verstehen und Wissen soll dir ein weites Herz wachsen. Gott schenke dir, dass du selbst wirst wie ein Kopfsalat. Der hat das Herz – mitten im Kopf.

Und indem ich so bete, merke ich: Das wünsche ich mir auch. So oft wird von „lebenslangem Lernen“ geredet. Ich lerne lebenslang und bitte deshalb: Gott segne meinen Kopf. Meinen Kopfsalat. Mein Herz. Gott schenke Ihnen, mir und allen, die lernen, dass wir selbst werden wie ein Kopfsalat. Der hat das Herz – mitten im Kopf.

Dieser Beitrag wurde am 24. September 2019 als SWR4-Abendgedanke gesendet. Etwas verändert wurde das Thema von mir bereits als Zeitungsandacht aufbereitet. Veröffentlichung, auch in Auszügen nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth.

Großeltern sind wie Eltern – nur mit Goldrand. Ein Beitrag in den SWR4 Abendgedanken

Ein schwarzhaariges Mädchen klettert auf dem Freigelände der Bundesgartenschau die Kletterwand hoch. Die Kleine ist etwa 7 Jahre alt. Gesichert mit einem Seil macht sie die ersten mutigen Griffe, zieht sich nach oben, sichert, greift neu – und ist schon etwa 4 Meter weit oben. Unten stehen zwei Fans von ihr, die ganz außer Rand und Band sind: „Anna, du machst das!“ – „Nach oben, Anna!“ – „Vorwärts, Anna!“ – ganz offensichtlich die Großeltern von Anna.

Ich finde: Diese Großeltern leben ganz offensichtlich das, was Jesus gemeint hat. Er hat einmal ein Kind in die Mitte seiner Freunde gestellt. „Den Kindern gehört schon jetzt der Himmel, die neue Welt Gottes.“ Zu Unrecht würden die Kleinen nicht ernst genommen, sagt Jesus. Und: „Wer so ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.“

Das haben diese Großeltern gemacht. Sie haben ihre Anna offensichtlich lieb. Und sie nehmen sie ernst. Sie unterstützen sie auf ihrem Weg in den Himmel hinauf, ganz nach oben; ganz real: Sie hat es geschafft, strahlt aus gut 10 Meter Höhe auf ihre Großeltern und lässt sich dann am Seil wieder heruntergleiten.

Irgendjemand hat mal gesagt: Großeltern sind wie Eltern, nur mit Goldrand.

Ich glaube da ist was dran. Manche Großeltern sind wie diese. Sie gestalten vor allem die besonderen Momente mit den Enkeln. Ein Ausflug, eine kleine Reise, ein besonderer Tag im Zoo, auf dem Spielplatz oder im Freizeitpark. Sie müssen die Kinder nicht im Alltag erziehen und das verleiht den Tagen mit ihnen diesen Goldrand.

Andere Großeltern nehmen die Enkelkinder auch bei sich daheim auf, die Kleinen sind mit großer Regelmäßigkeit bei ihnen Manchmal ist die Lebenssituation eben so ist wie sie ist. Manchmal geschieht das wirklich „in Gottes Namen“, auch wenn die eigenen Kräfte nicht mehr so groß sind. Großeltern haben diesen Goldrand der Freiwilligkeit und nicht selten auch der Opferbereitschaft.

Doch Großeltern müssen nicht immer etwas tun und etwas unternehmen, sie müssen nicht Geld haben oder lustig sein oder ständig ein offenes Haus für die Enkel haben. Bei Vielen geht das ja gar nicht. Der Goldrand der Großeltern besteht ganz einfach aus Liebe: Ein Gruß, ein Kuss, ein Gebet und ein guter Gedanke. Die Kinder und Heranwachsenden spüren, wenn sie ernst genommen werden. Und wenn Liebe da ist. Dann sind die Großeltern wie Eltern, nur mit Goldrand.

Dieser Beitrag wurde am 23. September 2019 als SWR4 Abendgedanke gesendet. Veröffentlichung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Zustimmung durch den Autor (c) David Andreas Roth
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