Was macht ein Buch – speziell eine Bibel – eigentlich wertvoll?

Die Bibel ist ein Rekorde-Buch. Sie ist der unbestrittene Welt-Bestseller aller Zeiten. Etwa 4 Milliarden Exemplare wurden gedruckt und verkauft. 70 Stunden braucht man, um die 66 Bücher, aus denen das Bibelbuch zusammengestellt ist, laut vorzulesen.

Die kleinste Bibel der Welt ist ein Dia, auf dem die Seiten im Maßstab 48.400 : 1 nur unter dem Mikroskop lesbar sind. Die größte lesbare Bibel ist wohl die Holzbibel, die Lous Waynai 1930 in Los Angeles fertiggestellt hat: 8.048 hauchdünne Holzseiten, bringen die einen Meter hohe Bibel auf eine Dicke von 2,5 Metern.

Die teuersten Bibeln sind die Gutenbergbibeln, die mit Preisen um die 10 Millionen Euro gehandelt werden. Ein Johannesevangelium, handgeschrieben, hat es auf 13,4 Millionen Euro gebracht.

Doch die wertvollste Bibel der Welt ist nach wie vor eine, die gelesen wird. Meine abgegriffene und abgewetzte Bibel, die mir Trost gibt und in der so schöne Sätze stehen wie: „Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes.“ Suchen Sie in Ihrer Bibel doch einmal nach dem Römerbrief, Kapitel 8, Vers 39 – und machen Sie Ihre Bibel zur wertvollsten Bibel der Welt, stöbern Sie, entdecken Sie. Das ist wertvoll.

Dieser Text ist am 13. Juli 2019 als Angedacht/Kirchenwort in der Südwestpresse (Metzinger-Uracher Volksblatt und Alb Bote) erschienen. Verwendung – auch in Auszügen nur nach Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

Schon als Kind war ich mir ganz sicher, dass ich ein Schatzsucher bin. Immer wenn ich im Wald war, hielt ich meine Augen offen – unten, oben, an der Seite, ob es nicht einen Schatz zu entdecken gibt.

Ein Rehgeweih habe ich einmal gefunden, sehr schöne Steine und Versteinerungen. Außergewöhnliche Pflanzen gibt es auf der Alb schon sehr früh im Jahr zu entdecken – den zartglänzenden Seidelbast zum Beispiel. Aber jetzt, mit 56 Jahren, da habe ich endlich den ganz großen Fund gemacht. Am Albtrauf und ganz offensichtlich! Dass das vor mir niemand entdeckt hat! Der Schädel eines Urwelt-Vogels. Riesig. Einmalig. Da musste wohl eben erst der Hang abgerutscht sein…

So habe ich jedenfalls gehofft. Du hast es wahrscheinlich gleich gesehen: Es war nur ein interessant geformter Kalkstein.

Aber ich bleibe dran. Irgendwann entdecke ich etwas ganz Großes. Solange entdecke ich viele Kleinigkeiten und Schönheiten des Lebens.

(c) David Andreas Roth

Vorauseilender Gehorsam hat oft gute Gründe, ist aber Angst, kein Glaube.

„Mach das nicht, das gibt nur Ärger!“ – wie oft habe ich das schon gehört und meistens war es gut gemeint. Ganze Familien werden von solchen Sätzen bestimmt. „Mach das nicht, das gibt nur Ärger.“ In Firmen, in Vereinen und auch in der Kirche werden mit „vorauseilenden Gehorsam“ positive Entwicklungen verhindert: „Mach das nicht, das gibt wieder einen Aufschrei! Mach das nicht, da haben wir gleich die Öffentlichkeit gegen uns.“

Das ist kein neues Phänomen, ich glaube, das ist einfach menschlich. Die Berichte der Bibel sind schon zweitausend Jahre alt und auch in diesen Berichten gibt es Beispiele für vorauseilenden Gehorsam.

Eines Tages etwa ist Jesus mit seinen Freunden auf dem Weg nach Jerusalem. Er geht zu Fuß. Eine große Menschenmenge sammelt sich immer um ihn, wenn er unterwegs ist. Noch bevor er in einem Ort ankommt, sind schon viele, viele andere da, die vor ihm herlaufen, ihm sozusagen den Weg bahnen. Wenn Jesus selbst dann ankommt, sind viele Menschen direkt um ihn herum. Es geht nur langsam voran. Dabei muss Jesus doch rechtzeitig zu einem großen Fest in Jerusalem ankommen! Immer wieder wird er aufgehalten. Auch ein blinder Bettler sitzt am Rand der Straße und ruft laut: „Jesus, hab Erbarmen! Hilf mir!“. Schon als die ersten Vorboten von Jesus bei diesem Bettler ankommen sitzt er da und schreit aus Leibeskräften.

„Mach das nicht, das gibt nur Ärger!“ sagen die zu ihm, die den Weg für Jesus frei machen wollen. Sie versuchen, ihn zum Schweigen zu bringen. Niemand weiß, ob es wirklich Ärger gibt. Aber man hat schon Situationen erlebt, in denen Jesus jemanden geheilt hat – und dann gab es große Diskussionen darum, ob er das zu diesem Zeitpunkt oder überhaupt durfte, ob er die Berechtigung dazu hatte! Es gibt ja immer Sittenwächter, die es ganz genau nehmen.

Die Angst wird zum Ratgeber! So eine Störung, wenn sie denn käme, kann man einfach nicht brauchen. Nicht jetzt. Jesus soll doch ankommen.

Der Blinde schreit aber weiter. Er lässt sich nicht bremsen: „Jesus, hab Erbarmen mit mir! Hilf mir!“ – und natürlich hört Jesus seine Rufe, als er selbst in seine Nähe kommt. Die ersten Boten müssen nun das Schlimmste befürchtet haben, denn Jesus lässt den Blinden zu sich bringen. Er unterhält sich mit ihm und er heilt ihn und – das war’s.

Der vorauseilende Gehorsam war voreiliger Gehorsam. Am Ende steht ein Wunder, der befürchtete Ärger bleibt aus.

Ob die Menschen, die gerne gehabt hätten, dass „das alles“ nicht passiert, etwas gelernt haben? „Mach das nicht, das gibt nur Ärger“ – das ist oft gut gemeint, aber selten wirklich gut. Die Frage ist nicht, ob es vielleicht Ärger geben könnte.

Vielleicht ist die Frage ja, was einen wirklich antreibt: Die Angst oder der Glaube.

Dieser Beitrag wurde am 15. Juni 2019 als Morgengedanke / Anstoß auf SWR1 /SWR 4 gesendet. Wiedergabe, auch in Auszügen nur mit Einverständnis des Autors (c) David Andreas Roth

Heute eine gute Tat! Das kann jedes Kind und das können die ganz Alten auch noch.

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Jeden Tag eine gute Tat! Was schon die kleinen Pfadfinder versprechen, das kann doch für Erwachsene nicht schwierig sein, oder? Ein Freund von mir sagt, die gute Tat sei schon dann getan, wenn er sich morgens seinen Kaffee macht. Und wissen Sie was? Recht hat er. Gute Taten können ja auch gute Taten für einen selbst sein.

Jeden Tag eine gute Tat! Das ist gar nicht so schwierig, das kann jedes Kind und das können die ganz Alten auch noch.

Ich tue mir selbst was Gutes. Zum Beispiel:  Ich stelle mich vor den Spiegel und ziehe solange Grimassen bis ich lachen muss. Ich bete zu Gott und beginne dabei jeden Satz mit „Danke“. Für jedes Jammern und Schimpfen lege ich mir heute 20 Cent zur Seite und am Nachmittag kaufe ich mir vom Jammergeld ein großes Eis. Ich mache einen Spaziergang und zähle die lächelnden Gesichter. Ich mache den Fernseher aus und male ein Bild. Ich lobe mich für alles, was ich richtig mache. Ich nehme mir Zeit für Musik, die mir gefällt und singe laut mit. Jeden Tag eine gute Tat! Das ist gar nicht so schwierig, das kann jedes Kind und das können die ganz Alten auch noch.

rollatorIch tue jemand anderem etwas Gutes. Ich rufe eine Bekannte an, die vor einiger Zeit einen lieben Menschen verloren hat. Ich sage ihr, dass ich sie beide nicht vergessen habe. Ich überlege mir jetzt schon ein Geburtstagsgeschenk für jemand, der erst in einem Monat Geburtstag hat. So früh bin ich sonst nie dran! Ich nehme mir vor, heute beim Autofahren ganz höflich zu sein. Ich bete für jemanden, dem ich nicht anders helfen kann. Ich frage das laute Kind der neuen Nachbarn endlich mal nach seinem Namen. Vielleicht ist es ja gar nicht so furchtbar. Ich lege einen Euro in den Hut des Bettlers. Jeden Tag eine gute Tat! Das ist gar nicht so schwierig, das kann jedes Kind und das können die ganz Alten auch noch.

IMG_3939.JPGIch tue etwas für die Allgemeinheit. Das Unkraut, das mich am Hauseingang schon so lange stört – ich mache es einfach selbst weg! Ich rufe bei der Stadtverwaltung an, weil ich festgestellt habe, dass eine Straßenlampe kaputt ist. Ich bete für einen Politiker, den ich mag. Ich spende Geld für eine Hilfsorganisation. Ich bete für einen Politiker, den ich nicht mag. Ich schneide alle guten Meldungen aus der Zeitung aus und lege sie nebeneinander auf den Esszimmertisch. So schlecht ist die Welt ja gar nicht!

Jeden Tag eine gute Tat! Das ist gar nicht so schwierig, das kann jedes Kind und das können die ganz Alten auch noch. In diesem Sinne wünsche ich noch eine gute Tat!

Dieser Beitrag wurde am 14. Juni 2019 als Morgengedanke / Morgengruß auf SWR1 und SWR4 gesendet. Verwendung, auch in Auszügen, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

Anstrengende Tage sind auch nur Zwischenetappen!

Manche Tage sind so voll, die müssten eigentlich wegen Überfüllung geschlossen werden. Geht aber nicht. Also muss es anders gehen.

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Karl, ein ehemaliger Beamter, ist jetzt fast 80 Jahre alt und manchmal hat er solche Tage. „Von wegen i.R. heißt im Ruhestand“, sagt er. „Das heißt in Rufbereitschaft!“ In der Zwischenzeit hat Karl Urenkel und die fordern ihn nicht schlecht heraus. Er ist in einem Verein, im Arbeitskreis Asyl und in der Kirchengemeinde aktiv. Ach ja, und: „Der Garten scheint auch jedes Jahr größer zu werden“, sagt er. Und gleichzeitig merkt man, dass ihm sein Leben gefällt.

Ich habe Karl gefragt, wie er das alles macht. und ihm gesagt, dass ich ihn bewundere. Wenn ich einmal in seinem Alter bin, dann wäre ich auch gerne noch so aktiv. „Weißt du“ hat er gesagt, „meistens ist das ja gar kein Problem. Ich habe gelernt mir das einzuteilen. Ich muss nicht mehr alles machen. Und ich kann auch einmal „Nein“ sagen. Das ist nicht mehr wie früher. Das nimmt mir keiner mehr übel.“

Nur manchmal, da lässt sich das ja nicht so planen, hat Karl gesagt. Jemand in der Familie wird krank, er soll einspringen, hat aber schon den Termin beim Augenarzt, auf den er so lange gewartet hat. Außerdem hat er versprochen im Vereinsheim einen Handwerker zu empfangen – das kann man auch nicht verschieben und wer soll’s denn machen, wenn nicht die Rentner!

Das wird dann sehr voll.

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„Weißt du“, sagt Karl. Er sagt immer „Weißt du“, wenn er etwas Wichtiges zu sagen hat. Ich höre also genau zu. „Weißt du, wenn ich es sehr anstrengend finde, fällt mir der Psalm 23 ein: Der Herr ist mein Hirte – er führet mich zum frischen Wasser. Und dann weiß ich wieder, dass auch ganz vollgestopfte Tage nur Zwischenetappen sind. Ich unterbreche mich kurz in dem, was ich tue. Und ich bete den ganzen Psalm bis zu ‚und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar‘. Und dann spüre ich: Der Himmel kann zwar noch ein bisschen warten, aber eines Tages wartet er auf mich. Und das gibt mir Kraft.“

Wenn ich einmal im Alter von Karl bin, dann bin ich hoffentlich auch noch so aktiv. Und ich weiß dann hoffentlich auch, wo meine Kraftquellen für vollgestopfte Tage sind. Und wenn Sie den 23. Psalm suchen: Er steht in der Bibel.

Dieser Beitrag ist als Morgengedanke/Morgengruß am 13. Juni 2019 auf SWR1 und SWR4 gesendet worden. Verwendung, auch in Auszügen, nur mit Einverständnis des Autors (c) David Andreas Roth
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Der Psalm 23 ist am bekanntesten in der Übersetzung von Martin Luther:

Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mit folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Manche leben ohne „den da oben“. Mir wäre da himmelangst.

 

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Als Kind habe ich sehr gern ein Lied gesungen, in dem es hieß: „Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht!“ Heute kenne ich einige Menschen, die ohne Gott leben. Und die wirken gar nicht ängstlich!

In meinem Alltag brauche ich Gott auch nicht deshalb, weil ich so ängstlich wäre. Aber ohne ihn leben? Das könnte ich trotzdem nicht! Mir würde etwas fehlen. Mir würde etwas fehlen, das mir sehr wichtig ist. Ich glaube zum Beispiel fest daran, dass jeder Mensch einzigartig ist, gewollt, geliebt, wertvoll.

Für mich ist ein Mensch wertvoll, weil Gott ihn einzigartig geschaffen hat. Es zählt also nicht, was er kann. Wenn jemand älter wird etwa, verliert er nicht an Wert. Auch wenn die Kräfte nachlassen, sind Menschen nicht weniger wert. Ich kann nicht jemandem das Recht, zu leben verweigern, weil „es sich nicht mehr rechnet“. Und gerade die, die sich nicht selbst schützen können, die stehen unter Gottes Schutz. Ich weiß, dass das oft in der Bibel steht. Und dass das auch dann so ist, wenn es mir nicht in den Kram passt, wenn ich Menschen anstrengend oder sogar überflüssig finde. Gott sieht das anders.

Jeder Mensch ist wertvoll. Wie könnte ich das begründen, wenn da „oben“ gar niemand ist? Gut, das Grundgesetz… Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber mal ehrlich: Das gründet sich doch letztlich auch wieder auf den christlichen Glauben und damit auf die Annahme oder die Erfahrung, dass da ein Gott ist.

IMG_6912Warum sollte ich geschützt sein? Wenn ich einmal nicht mehr so gut kann, kann man mich dann aus dem Weg räumen? Gott sei Dank hat Gott gesagt: „Du bist mein Kind. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ (Jesaja 43,1).

Das ist jetzt ein bisschen schwere Kost am frühen Morgen, ich weiß. Aber ich frage mich eben manchmal so: Habe ich noch eine Würde, habe ich noch einen Wert, wenn ich kein wertvoller Teil mehr für die Gesellschaft bin – oder kann ich dann weg, wenn ich zum Kostenfaktor werde? Da wird mir wirklich himmelangst!

Und da fällt mir dann doch wieder das Lied aus Kindheitstagen ein: „Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht!“ – Gott sei Dank sind wir nicht ohne Gott. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

Dieser Beitrag wurde am 12. Juni 2019 als Morgengedanke/Morgengruß auf SWR1 und SWR4 gesendet. Verwendung – auch in Auszügen – nicht ohne Einwilligung des Autors (c) David Andreas Roth
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