Schule hat begonnen – wie man Kinder segnen kann

„Da, wo andere ihren Kopf haben, da habe ich nur Kopfsalat!“ – Tom ist Schüler, 15 Jahre alt und nicht zufrieden mit sich. Er ist nicht begeistert davon, dass für ihn jetzt wieder die Schule losgegangen ist.

Seit zwei Wochen heißt es wieder früh aufstehen, andere Menschen treffen, und, ja, auch etwas lernen. Es heißt auch streiten, spielen, Sport machen, sich freuen, sich verlieben vielleicht, sich aufregen, ein bisschen Angst haben, Niederlagen einstecken und wunderbare Erfolge feiern. Schule eben. Die ist eigentlich doch zum Lernen da. Aber manchmal ist so vieles mindestens genauso wichtig, wenn man 15 ist oder 16.

„Da, wo andere ihren Kopf haben, da habe ich nur Kopfsalat!“ Ich habe gemerkt, dass ich das schon fast vergessen hatte. Ich hatte in der Schule auch solche Phasen. Manchmal waren das sogar lange Phasen.

Aber kann man da was machen? So viele Eltern, Großeltern und andere, die das Leben von jungen Menschen begleiten in Schule und Ausbildung, würden manchmal gern etwas tun. Doch in die Schule gehen die Jungen ja selbst und in der Regel allein. Und mit schimpfen und Druck erreicht man wenig.

„Da hilft nur noch Beten!“ – finde ich manchmal. Aber wie soll ich beten? Vielleicht ja so, dass man den anderen mit guten Gedanken umgibt. Das kann ein Segen werden.

Gott segne deinen Kopf.

Gott segne dich mit Verstand, um zu verstehen. Er schenke dir ausreichend Schlaf und Wachheit im richtigen Moment, damit du merkst. Gott lasse dich lernen wie du dir merkst, was du merkst. Gott segne deinen Kopf.

Gott segne deinen Kopfsalat,

wenn alles durcheinander geht. Wenn du viel zu müde, viel zu blöd, viel zu verspielt oder viel zu verliebt bist, um zu lernen: Gott schenke dir Menschen, die dich nicht beurteilen und schon gar nicht nach deinen Noten. Gott segne deinen Kopfsalat.

Gott segne dein Herz.

Mitten drin in all dem Verstehen und Wissen soll dir ein weites Herz wachsen. Gott schenke dir, dass du selbst wirst wie ein Kopfsalat. Der hat das Herz – mitten im Kopf.

Und indem ich so bete, merke ich: Das wünsche ich mir auch. So oft wird von „lebenslangem Lernen“ geredet. Ich lerne lebenslang und bitte deshalb: Gott segne meinen Kopf. Meinen Kopfsalat. Mein Herz. Gott schenke Ihnen, mir und allen, die lernen, dass wir selbst werden wie ein Kopfsalat. Der hat das Herz – mitten im Kopf.

Dieser Beitrag wurde am 24. September 2019 als SWR4-Abendgedanke gesendet. Etwas verändert wurde das Thema von mir bereits als Zeitungsandacht aufbereitet. Veröffentlichung, auch in Auszügen nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth.

Großeltern sind wie Eltern – nur mit Goldrand. Ein Beitrag in den SWR4 Abendgedanken

Ein schwarzhaariges Mädchen klettert auf dem Freigelände der Bundesgartenschau die Kletterwand hoch. Die Kleine ist etwa 7 Jahre alt. Gesichert mit einem Seil macht sie die ersten mutigen Griffe, zieht sich nach oben, sichert, greift neu – und ist schon etwa 4 Meter weit oben. Unten stehen zwei Fans von ihr, die ganz außer Rand und Band sind: „Anna, du machst das!“ – „Nach oben, Anna!“ – „Vorwärts, Anna!“ – ganz offensichtlich die Großeltern von Anna.

Ich finde: Diese Großeltern leben ganz offensichtlich das, was Jesus gemeint hat. Er hat einmal ein Kind in die Mitte seiner Freunde gestellt. „Den Kindern gehört schon jetzt der Himmel, die neue Welt Gottes.“ Zu Unrecht würden die Kleinen nicht ernst genommen, sagt Jesus. Und: „Wer so ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.“

Das haben diese Großeltern gemacht. Sie haben ihre Anna offensichtlich lieb. Und sie nehmen sie ernst. Sie unterstützen sie auf ihrem Weg in den Himmel hinauf, ganz nach oben; ganz real: Sie hat es geschafft, strahlt aus gut 10 Meter Höhe auf ihre Großeltern und lässt sich dann am Seil wieder heruntergleiten.

Irgendjemand hat mal gesagt: Großeltern sind wie Eltern, nur mit Goldrand.

Ich glaube da ist was dran. Manche Großeltern sind wie diese. Sie gestalten vor allem die besonderen Momente mit den Enkeln. Ein Ausflug, eine kleine Reise, ein besonderer Tag im Zoo, auf dem Spielplatz oder im Freizeitpark. Sie müssen die Kinder nicht im Alltag erziehen und das verleiht den Tagen mit ihnen diesen Goldrand.

Andere Großeltern nehmen die Enkelkinder auch bei sich daheim auf, die Kleinen sind mit großer Regelmäßigkeit bei ihnen Manchmal ist die Lebenssituation eben so ist wie sie ist. Manchmal geschieht das wirklich „in Gottes Namen“, auch wenn die eigenen Kräfte nicht mehr so groß sind. Großeltern haben diesen Goldrand der Freiwilligkeit und nicht selten auch der Opferbereitschaft.

Doch Großeltern müssen nicht immer etwas tun und etwas unternehmen, sie müssen nicht Geld haben oder lustig sein oder ständig ein offenes Haus für die Enkel haben. Bei Vielen geht das ja gar nicht. Der Goldrand der Großeltern besteht ganz einfach aus Liebe: Ein Gruß, ein Kuss, ein Gebet und ein guter Gedanke. Die Kinder und Heranwachsenden spüren, wenn sie ernst genommen werden. Und wenn Liebe da ist. Dann sind die Großeltern wie Eltern, nur mit Goldrand.

Dieser Beitrag wurde am 23. September 2019 als SWR4 Abendgedanke gesendet. Veröffentlichung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Zustimmung durch den Autor (c) David Andreas Roth

Die Schule hat nun auch in Baden-Württemberg wieder begonnen. Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern Kopf und Herz und Kopfsalat

Wenn dein Kopf jetzt wieder besonders gefragt ist: Gott segne dich.

Gott segne deinen Kopf. Gott segne dich mit Verstand, um zu verstehen.

Er schenke dir ausreichend Schlaf und Wachheit im richtigen Moment, damit du merkst.

Gott lasse dich lernen wie du dir merkst, was du merkst. Gott segne deinen Kopf.

Gott segne deinen Kopfsalat, wenn alles durcheinander geht.

Wenn du viel zu müde, viel zu blöd, viel zu verspielt oder viel zu verliebt bist, um zu lernen:

Gott schenke dir Menschen, die dich nicht beurteilen und schon gar nicht nach deinen Noten. Gott segne deinen Kopfsalat.

Gott segne dein Herz. Mitten drin in all dem Verstehen und Wissen soll dir ein weites Herz wachsen. Gott schenke dir, dass du selbst wirst wie ein Kopfsalat. Der hat das Herz – mitten im Kopf.

Dieser Beitrag ist am 14. September 2019 in der Südwestpresse / Metzinger-Uracher Volksblatt und Alb Bote erschienen. Veröffentlichungen nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (C) David Andreas Roth

Ein einziges Wort kann ein ganzes Menschenleben verändern. Verheiratete wissen das. Es gibt Worte, die besonderen Wert haben. Das „Ja“, das einem Menschen unverbrüchliche Liebe zusichert, ist so ein Wort.

Ich freue mich darüber, dass es die guten Worte gibt, denn natürlich wird auch viel Müll geredet: Unwichtiges und Unwahres, sogar Zerstörerisches und Tödliches. Hetze und Hass scheinen ja allgegenwärtig, in den „sozialen“ Medien ebenso wie ganz traditionell in Kantinen, Kneipen und auf Familienfesten. Ob das wirklich mehr geworden ist? Ich weiß es nicht.

Ich weiß aber, dass die Worte, die das Leben positiv verändern, oft nicht so laut daherkommen. Es gibt sie aber tausendfach, sie sind lebendig und ihr Wert ist höher als der anderer Worte. Es sind die Worte der Liebe. Es ist das „Ich bin für dich da“, das man einer todkranken Freundin sagt. Es ist das „Gut gemacht“, das aus Überzeugung gesagt ist. Es ist ein „Probier‘ es noch einmal“ für einen Gescheiterten und ein „Lass ruhig los, du darfst jetzt gehen“ für den Sterbenden. Es gibt tausende solcher guten Worte.

In der Bibel steht einmal: „Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht“ (Epheser 4,29). Ich finde das ist ein guter Rat. Ein einziges Wort kann ein ganzes Menschenleben verändern. Es sollte ein gutes Wort sein.

Dieser Beitrag ist als „Angedacht“/“Kirchenwort am 24. August 2019 in der Südwestpresse – Metzinger Volksblatt/Alb Bote erschienen. Alle Rechte liegen (c) beim Autor David Andreas Roth.

Was macht ein Buch – speziell eine Bibel – eigentlich wertvoll?

Die Bibel ist ein Rekorde-Buch. Sie ist der unbestrittene Welt-Bestseller aller Zeiten. Etwa 4 Milliarden Exemplare wurden gedruckt und verkauft. 70 Stunden braucht man, um die 66 Bücher, aus denen das Bibelbuch zusammengestellt ist, laut vorzulesen.

Die kleinste Bibel der Welt ist ein Dia, auf dem die Seiten im Maßstab 48.400 : 1 nur unter dem Mikroskop lesbar sind. Die größte lesbare Bibel ist wohl die Holzbibel, die Lous Waynai 1930 in Los Angeles fertiggestellt hat: 8.048 hauchdünne Holzseiten, bringen die einen Meter hohe Bibel auf eine Dicke von 2,5 Metern.

Die teuersten Bibeln sind die Gutenbergbibeln, die mit Preisen um die 10 Millionen Euro gehandelt werden. Ein Johannesevangelium, handgeschrieben, hat es auf 13,4 Millionen Euro gebracht.

Doch die wertvollste Bibel der Welt ist nach wie vor eine, die gelesen wird. Meine abgegriffene und abgewetzte Bibel, die mir Trost gibt und in der so schöne Sätze stehen wie: „Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes.“ Suchen Sie in Ihrer Bibel doch einmal nach dem Römerbrief, Kapitel 8, Vers 39 – und machen Sie Ihre Bibel zur wertvollsten Bibel der Welt, stöbern Sie, entdecken Sie. Das ist wertvoll.

Dieser Text ist am 13. Juli 2019 als Angedacht/Kirchenwort in der Südwestpresse (Metzinger-Uracher Volksblatt und Alb Bote) erschienen. Verwendung – auch in Auszügen nur nach Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

Schon als Kind war ich mir ganz sicher, dass ich ein Schatzsucher bin. Immer wenn ich im Wald war, hielt ich meine Augen offen – unten, oben, an der Seite, ob es nicht einen Schatz zu entdecken gibt.

Ein Rehgeweih habe ich einmal gefunden, sehr schöne Steine und Versteinerungen. Außergewöhnliche Pflanzen gibt es auf der Alb schon sehr früh im Jahr zu entdecken – den zartglänzenden Seidelbast zum Beispiel. Aber jetzt, mit 56 Jahren, da habe ich endlich den ganz großen Fund gemacht. Am Albtrauf und ganz offensichtlich! Dass das vor mir niemand entdeckt hat! Der Schädel eines Urwelt-Vogels. Riesig. Einmalig. Da musste wohl eben erst der Hang abgerutscht sein…

So habe ich jedenfalls gehofft. Du hast es wahrscheinlich gleich gesehen: Es war nur ein interessant geformter Kalkstein.

Aber ich bleibe dran. Irgendwann entdecke ich etwas ganz Großes. Solange entdecke ich viele Kleinigkeiten und Schönheiten des Lebens.

(c) David Andreas Roth

Vorauseilender Gehorsam hat oft gute Gründe, ist aber Angst, kein Glaube.

„Mach das nicht, das gibt nur Ärger!“ – wie oft habe ich das schon gehört und meistens war es gut gemeint. Ganze Familien werden von solchen Sätzen bestimmt. „Mach das nicht, das gibt nur Ärger.“ In Firmen, in Vereinen und auch in der Kirche werden mit „vorauseilenden Gehorsam“ positive Entwicklungen verhindert: „Mach das nicht, das gibt wieder einen Aufschrei! Mach das nicht, da haben wir gleich die Öffentlichkeit gegen uns.“

Das ist kein neues Phänomen, ich glaube, das ist einfach menschlich. Die Berichte der Bibel sind schon zweitausend Jahre alt und auch in diesen Berichten gibt es Beispiele für vorauseilenden Gehorsam.

Eines Tages etwa ist Jesus mit seinen Freunden auf dem Weg nach Jerusalem. Er geht zu Fuß. Eine große Menschenmenge sammelt sich immer um ihn, wenn er unterwegs ist. Noch bevor er in einem Ort ankommt, sind schon viele, viele andere da, die vor ihm herlaufen, ihm sozusagen den Weg bahnen. Wenn Jesus selbst dann ankommt, sind viele Menschen direkt um ihn herum. Es geht nur langsam voran. Dabei muss Jesus doch rechtzeitig zu einem großen Fest in Jerusalem ankommen! Immer wieder wird er aufgehalten. Auch ein blinder Bettler sitzt am Rand der Straße und ruft laut: „Jesus, hab Erbarmen! Hilf mir!“. Schon als die ersten Vorboten von Jesus bei diesem Bettler ankommen sitzt er da und schreit aus Leibeskräften.

„Mach das nicht, das gibt nur Ärger!“ sagen die zu ihm, die den Weg für Jesus frei machen wollen. Sie versuchen, ihn zum Schweigen zu bringen. Niemand weiß, ob es wirklich Ärger gibt. Aber man hat schon Situationen erlebt, in denen Jesus jemanden geheilt hat – und dann gab es große Diskussionen darum, ob er das zu diesem Zeitpunkt oder überhaupt durfte, ob er die Berechtigung dazu hatte! Es gibt ja immer Sittenwächter, die es ganz genau nehmen.

Die Angst wird zum Ratgeber! So eine Störung, wenn sie denn käme, kann man einfach nicht brauchen. Nicht jetzt. Jesus soll doch ankommen.

Der Blinde schreit aber weiter. Er lässt sich nicht bremsen: „Jesus, hab Erbarmen mit mir! Hilf mir!“ – und natürlich hört Jesus seine Rufe, als er selbst in seine Nähe kommt. Die ersten Boten müssen nun das Schlimmste befürchtet haben, denn Jesus lässt den Blinden zu sich bringen. Er unterhält sich mit ihm und er heilt ihn und – das war’s.

Der vorauseilende Gehorsam war voreiliger Gehorsam. Am Ende steht ein Wunder, der befürchtete Ärger bleibt aus.

Ob die Menschen, die gerne gehabt hätten, dass „das alles“ nicht passiert, etwas gelernt haben? „Mach das nicht, das gibt nur Ärger“ – das ist oft gut gemeint, aber selten wirklich gut. Die Frage ist nicht, ob es vielleicht Ärger geben könnte.

Vielleicht ist die Frage ja, was einen wirklich antreibt: Die Angst oder der Glaube.

Dieser Beitrag wurde am 15. Juni 2019 als Morgengedanke / Anstoß auf SWR1 /SWR 4 gesendet. Wiedergabe, auch in Auszügen nur mit Einverständnis des Autors (c) David Andreas Roth

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