Archiv

geglaubt

Poetry-Element der Predigt beim Jugendgottesdienst CrossPoint am 29. September 2019

Bring dich nicht um. Das Leben, das Leben bringt dich nicht um.

Bring dich nicht um, bring dich nicht um das Leben: es ist gar nicht so daneben, es kann dich sogar erheben, das Leben, das da noch kommt. Bring dich nicht um das Leben, weil eben mal etwas nicht glückt, nicht um das Leben, das Streben nach Glück, nimm nicht den Strick, das Messer, das Hochhaus. Nimm dir Zeit, gib dir Zeit. Und es wird Leben geben, weil Gott dir Leben gegeben hat.

Bring dich nicht um, bring dich nicht um das Leben, das Kämpfen und Leiden, den Schmerz. Bring dich nicht um das verbitterte Schluchzen und ein gebrochenes Herz. Bring dich nicht um das alles. Wer sich so das Leben nimmt, nimmt nicht das Leben, sondern nimmt den Tod. Und der Tod ist echt das Letzte.

Und: du nimmst nicht nur dir das Leben weg, sondern denen, die dich lieben, die dir zutrau‘n zu siegen, über Hürden zu fliegen.

Ihr Leben bekommt diesen Schatten, weil sie ahnen, was sie nie hatten, das Leben mit dir, doch du bist weg, dachtest, ihre Liebe hat keinen Zweck, nahmst dir und ihnen das Leben weg.

„Den eignen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der andern muss man leben.“*

*Ein Zitat von Mascha Kaléko

Bring dich nicht um – das Leben. Das Leben bringt dich nicht um.

Das Leben ist wunderbar und fürchterlich, ist wundersam und widerlich, ist grässlich, hässlich, unzuverlässig, gehässig und stressig. Und: Es ist so geil, weil allgemein und im Detail dein Style der Teil ist, der im Leben eines anderen den Unterschied machen kann, dass er wie bei einem munteren Lied lachen kann. Sei nicht so eingebildet egoistisch, nicht so unrealistisch, als sei dein Leben nicht wichtig.

Dein Leben ist eine Segen. Von Gott gegeben.

Der Tod ist echt das Letzte, was irgendjemand von dir braucht.

Gott mit dir. Lebe!

Bring dich nicht um das Leben. Das Leben bringt dich nicht um.

Sei lieb, sei nett, sei unbequem. Sei dünn, sei fett, sei auch extrem. Sei wie du bist. Dein Leben ist ein Segen. Von Gott gegeben.

Verwendung nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth

„Warum“ schaut nach hinten, „Wozu“ nach vorn. Das „Wozu“ ist wichtiger, auch wenn beides wichtig ist

Als ich ganz unten war, am Boden zerstört und von Gott verlassen, da hat es mir geholfen, dass Jesus am Kreuz geschrien hat: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Ich habe gespürt, dass Jesus, Gottes Sohn, an meiner Seite ist, wenn ich nur noch diese eine Frage habe: „Warum sehe ich nicht, dass Gott irgendetwas tut?“

Ich brauche ihn doch, wenn alle gegen mich sind. Ich brauche ein Wunder, wenn andere oder ich selbst todkrank werden. Ich brauche Gottes Antwort, ein Zeichen, etwas Eindeutiges, wenn meine Sorgen überhandnehmen.

Aber „Warum“ ist ein schwieriges Wort. Es hat die Macht, mich in die Vergangenheit schauen zu lassen: Warum habe ich nicht früher gesagt, dass ich das nicht will? Warum habe ich mich nicht gesünder ernährt und auf das Rauchen verzichtet? Warum hat der, der mein Freund sein sollte, mir das angetan?

Manchmal hilft die Frage, weil ich eine Antwort finden kann: Ich bin in diese Situation gekommen, weil ich viel zu schnell Erfolg wollte. Ich habe Streit bekommen, weil ich dem anderen meine Meinung aufzwingen wollte. Ich bin krank geworden, weil ich zu wenig auf meinen Körper geachtet habe. Mit solchen Antworten kann ich versuchen, es das nächste Mal besser zu machen.

Oft gibt es aber keine Antworten. Und die Frage nach dem „Warum“ geht ins Leere. Ein Sprachwissenschaftler hat mir einmal erklärt, dass Jesus am Kreuz gar nicht mit diesem Blick nach hinten gefragt hat. Vielmehr habe er die Frage in die Zukunft gewendet, so müsse man übersetzen: „Mein Gott, zu was hast du mich verlassen?“ Zu was: also wozu. Das ist die Frage nach dem Sinn. Das ist die Frage, wie etwas Gutes aus dem Bösen entstehen könnte.

Seitdem ich das gehört habe, frage ich immer noch: „Warum?“. Aber wenn ich zu keinen Antworten komme, ändere ich die Frage und frage: „Wozu?“.

Wozu kann es gut sein, dass ich diese schweren Zeiten durchgemacht habe? – Und ich spüre, dass ich anderen in ähnlichen Situationen Mut machen kann: Die Welt wackelt, aber sie bricht nicht zusammen.

Wozu kann es helfen, wenn ich im Streit bin mit diesem Menschen? – Und ich merke, dass es niemandem hilft und fange an, darüber nachzudenken, wie ich vergeben kann.

Zu was kann es gut sein, dass ich so krank bin? Vielleicht ja, weil Krankheitszeiten besondere Begegnungszeiten mit Gott und dem ewigen Leben sind?

Das „Wozu“ hilft mir. Nicht immer, aber immer wieder.

Dieser Beitrag wurde am 25. September 2019 als SWR4-Abendgedanke gesendet. Veröffentlichung, auch in Auszügen, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth.

Großeltern sind wie Eltern – nur mit Goldrand. Ein Beitrag in den SWR4 Abendgedanken

Ein schwarzhaariges Mädchen klettert auf dem Freigelände der Bundesgartenschau die Kletterwand hoch. Die Kleine ist etwa 7 Jahre alt. Gesichert mit einem Seil macht sie die ersten mutigen Griffe, zieht sich nach oben, sichert, greift neu – und ist schon etwa 4 Meter weit oben. Unten stehen zwei Fans von ihr, die ganz außer Rand und Band sind: „Anna, du machst das!“ – „Nach oben, Anna!“ – „Vorwärts, Anna!“ – ganz offensichtlich die Großeltern von Anna.

Ich finde: Diese Großeltern leben ganz offensichtlich das, was Jesus gemeint hat. Er hat einmal ein Kind in die Mitte seiner Freunde gestellt. „Den Kindern gehört schon jetzt der Himmel, die neue Welt Gottes.“ Zu Unrecht würden die Kleinen nicht ernst genommen, sagt Jesus. Und: „Wer so ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.“

Das haben diese Großeltern gemacht. Sie haben ihre Anna offensichtlich lieb. Und sie nehmen sie ernst. Sie unterstützen sie auf ihrem Weg in den Himmel hinauf, ganz nach oben; ganz real: Sie hat es geschafft, strahlt aus gut 10 Meter Höhe auf ihre Großeltern und lässt sich dann am Seil wieder heruntergleiten.

Irgendjemand hat mal gesagt: Großeltern sind wie Eltern, nur mit Goldrand.

Ich glaube da ist was dran. Manche Großeltern sind wie diese. Sie gestalten vor allem die besonderen Momente mit den Enkeln. Ein Ausflug, eine kleine Reise, ein besonderer Tag im Zoo, auf dem Spielplatz oder im Freizeitpark. Sie müssen die Kinder nicht im Alltag erziehen und das verleiht den Tagen mit ihnen diesen Goldrand.

Andere Großeltern nehmen die Enkelkinder auch bei sich daheim auf, die Kleinen sind mit großer Regelmäßigkeit bei ihnen Manchmal ist die Lebenssituation eben so ist wie sie ist. Manchmal geschieht das wirklich „in Gottes Namen“, auch wenn die eigenen Kräfte nicht mehr so groß sind. Großeltern haben diesen Goldrand der Freiwilligkeit und nicht selten auch der Opferbereitschaft.

Doch Großeltern müssen nicht immer etwas tun und etwas unternehmen, sie müssen nicht Geld haben oder lustig sein oder ständig ein offenes Haus für die Enkel haben. Bei Vielen geht das ja gar nicht. Der Goldrand der Großeltern besteht ganz einfach aus Liebe: Ein Gruß, ein Kuss, ein Gebet und ein guter Gedanke. Die Kinder und Heranwachsenden spüren, wenn sie ernst genommen werden. Und wenn Liebe da ist. Dann sind die Großeltern wie Eltern, nur mit Goldrand.

Dieser Beitrag wurde am 23. September 2019 als SWR4 Abendgedanke gesendet. Veröffentlichung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Zustimmung durch den Autor (c) David Andreas Roth

Die Schule hat nun auch in Baden-Württemberg wieder begonnen. Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern Kopf und Herz und Kopfsalat

Wenn dein Kopf jetzt wieder besonders gefragt ist: Gott segne dich.

Gott segne deinen Kopf. Gott segne dich mit Verstand, um zu verstehen.

Er schenke dir ausreichend Schlaf und Wachheit im richtigen Moment, damit du merkst.

Gott lasse dich lernen wie du dir merkst, was du merkst. Gott segne deinen Kopf.

Gott segne deinen Kopfsalat, wenn alles durcheinander geht.

Wenn du viel zu müde, viel zu blöd, viel zu verspielt oder viel zu verliebt bist, um zu lernen:

Gott schenke dir Menschen, die dich nicht beurteilen und schon gar nicht nach deinen Noten. Gott segne deinen Kopfsalat.

Gott segne dein Herz. Mitten drin in all dem Verstehen und Wissen soll dir ein weites Herz wachsen. Gott schenke dir, dass du selbst wirst wie ein Kopfsalat. Der hat das Herz – mitten im Kopf.

Dieser Beitrag ist am 14. September 2019 in der Südwestpresse / Metzinger-Uracher Volksblatt und Alb Bote erschienen. Veröffentlichungen nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (C) David Andreas Roth

Ein einziges Wort kann ein ganzes Menschenleben verändern. Verheiratete wissen das. Es gibt Worte, die besonderen Wert haben. Das „Ja“, das einem Menschen unverbrüchliche Liebe zusichert, ist so ein Wort.

Ich freue mich darüber, dass es die guten Worte gibt, denn natürlich wird auch viel Müll geredet: Unwichtiges und Unwahres, sogar Zerstörerisches und Tödliches. Hetze und Hass scheinen ja allgegenwärtig, in den „sozialen“ Medien ebenso wie ganz traditionell in Kantinen, Kneipen und auf Familienfesten. Ob das wirklich mehr geworden ist? Ich weiß es nicht.

Ich weiß aber, dass die Worte, die das Leben positiv verändern, oft nicht so laut daherkommen. Es gibt sie aber tausendfach, sie sind lebendig und ihr Wert ist höher als der anderer Worte. Es sind die Worte der Liebe. Es ist das „Ich bin für dich da“, das man einer todkranken Freundin sagt. Es ist das „Gut gemacht“, das aus Überzeugung gesagt ist. Es ist ein „Probier‘ es noch einmal“ für einen Gescheiterten und ein „Lass ruhig los, du darfst jetzt gehen“ für den Sterbenden. Es gibt tausende solcher guten Worte.

In der Bibel steht einmal: „Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht“ (Epheser 4,29). Ich finde das ist ein guter Rat. Ein einziges Wort kann ein ganzes Menschenleben verändern. Es sollte ein gutes Wort sein.

Dieser Beitrag ist als „Angedacht“/“Kirchenwort am 24. August 2019 in der Südwestpresse – Metzinger Volksblatt/Alb Bote erschienen. Alle Rechte liegen (c) beim Autor David Andreas Roth.

Was macht ein Buch – speziell eine Bibel – eigentlich wertvoll?

Die Bibel ist ein Rekorde-Buch. Sie ist der unbestrittene Welt-Bestseller aller Zeiten. Etwa 4 Milliarden Exemplare wurden gedruckt und verkauft. 70 Stunden braucht man, um die 66 Bücher, aus denen das Bibelbuch zusammengestellt ist, laut vorzulesen.

Die kleinste Bibel der Welt ist ein Dia, auf dem die Seiten im Maßstab 48.400 : 1 nur unter dem Mikroskop lesbar sind. Die größte lesbare Bibel ist wohl die Holzbibel, die Lous Waynai 1930 in Los Angeles fertiggestellt hat: 8.048 hauchdünne Holzseiten, bringen die einen Meter hohe Bibel auf eine Dicke von 2,5 Metern.

Die teuersten Bibeln sind die Gutenbergbibeln, die mit Preisen um die 10 Millionen Euro gehandelt werden. Ein Johannesevangelium, handgeschrieben, hat es auf 13,4 Millionen Euro gebracht.

Doch die wertvollste Bibel der Welt ist nach wie vor eine, die gelesen wird. Meine abgegriffene und abgewetzte Bibel, die mir Trost gibt und in der so schöne Sätze stehen wie: „Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes.“ Suchen Sie in Ihrer Bibel doch einmal nach dem Römerbrief, Kapitel 8, Vers 39 – und machen Sie Ihre Bibel zur wertvollsten Bibel der Welt, stöbern Sie, entdecken Sie. Das ist wertvoll.

Dieser Text ist am 13. Juli 2019 als Angedacht/Kirchenwort in der Südwestpresse (Metzinger-Uracher Volksblatt und Alb Bote) erschienen. Verwendung – auch in Auszügen nur nach Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth
Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat ihre aktuelle „Mitte-Studie“ veröffentlicht. Angst, Verschwörungstheorien und, flapsig gesagt, ein „mulmiges Gefühl“ spielen für viele in Deutschland eine wesentliche Rolle im Alltag. Politiker würden fremdbestimmt, das Gefühl eigener Ohnmacht erscheint allgegenwärtig. Darauf reagiert meine Andacht im Reutlinger Generalanzeiger an diesem Wochenende. Naiv? Kindlich? Vielleicht, ja, wahrscheinlich. Gut so, finde ich.

angst5Angst. Ständig begegnet sie mir. Angst vor allem Möglichen und Unmöglichen: Angst vor den Fremden und Angst vor den Mächtigen, Angst vor denen, die im Verborgenen die Strippen ziehen, Angst davor, dass alles immer schlechter wird.

Ich glaube, das war schon immer so. Und deshalb steht so oft in der Bibel: „Hab keine Angst“. Gott sagt das. Engel sagen das und auch Menschen, die Erfahrung mit Gott haben, sagen: „Hab keine Angst!“

Es gibt zwar etwas zu fürchten, ABER…

angst6.jpg

„Hab keine Angst“ sagt Gott: Und damit verschwindet die Angst nicht, aber sie wird kleiner, weil Gott größer ist als alles, was  uns Angst machen kann.

„Hab keine Angst“ sagen die Engel: Sie führen nicht immer an den Gefahren und Schwierigkeiten vorbei, aber sie lassen uns nicht allein.

„Hab keine Angst“ sagen Menschen, die Erfahrung mit Gott haben. Denn sie wissen, dass das, was uns das Ende scheint, der Anfang ist bei Gott. So wie Jesus vom Tod auferstanden ist, so gibt es neues Leben für die, für die alles vorbei zu sein scheint.

 

Vielleicht bin ich ja ein bisschen naiv. Aber ich glaube. Und wer glaubt, hat weniger Angst.

 

Diese Zeitungsandacht ist am 4. Mai 2019 im Reutlinger Generalanzeiger. Wiedergabe, auch in Ausschnitten, nur nach vorheriger Einverständniserklärung mit dem Autor (c) David Andreas Roth
%d Bloggern gefällt das: