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von mir aus gesehen

„Eid mubarak“ heißt „Ein gesegnetes Fest!“ Das ist der Gruß zum Zuckerfest, das in diesen Tagen den Fastenmonat der Muslime abschließt. Einen Monat haben die gesunden Erwachsenen tagsüber nichts gegessen. Wer es sehr ernst genommen hat, hat viel im Koran gelesen und sich Zeit zum Gebet genommen. Als Christ achte ich diese Disziplin und weiß: Wir alle suchen Gott. Das verbindet.

Ich weiß auch: Wir suchen denselben Gott. Aber wir glauben nicht an denselben Gott. Es ist christlicher Glaube, dass Gott einen Sohn hat. Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass Jesus für unsere Schuld gestorben und dann auferstanden ist. Jesus Christus kam in die Welt, damit wir vor Gott als gerecht bestehen können, nicht durch religiöse Pflichterfüllung, sondern aus Gnade, also durch Liebe ohne Gegenleistung. Die Vergebung durch Christus macht christlichen Glauben aus: Die Liebe Gottes befreit Menschen, die dann ebenfalls vergeben und lieben.

Das kennt der Islam nicht. Doch die Suche nach Gott verbindet. Muslime und Christen, die es ernst meinen, wissen: Gott zeigt sich selbst, wenn man ihn ernsthaft sucht. Das ist „Segen“, also „Seine Sache“. In diesem Sinne: Eid mubarak, ein gesegnetes Fest!

Dieser Beitrag ist am 23. Mai 2020 in der Südwestpresse, Metzinger-Uracher Volksblatt / Alb Bote erschienen. Verwendung, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth
In Gönningen, fast auf der Alb, gibt es jedes Jahr im April zwei Sonntage, an denen die Tulpe in allen möglichen Farben und Formen im Mittelpunkt steht. Der Ort, der im 19. Jahrhundert durch die Vielzahl von Samenhändlern bekannt war, hat heute zwar nur noch einen großen Samenhandel. Er zieht aber viele, viele Besucher an, wenn die große Blüte den Ort in bunte Farben taucht. Das ist jedes Jahr so.

Jedes Jahr? Nein, in diesem Jahr mussten die „offiziellen“ Tulpensonntage im April ausfallen. Überall im Ort sind aber natürlich die Tulpen zu sehen – am Ortseingang geht es los, in den Vorgärten, Gärten, rund um den Samenhandel und – ein besonderes Highlight: Auf dem Friedhof!

Ich bin immer wieder gern dort. Es ist eine Mischung aus Volksfest und andächtiger Stille, aus Staunen und: „Will ich auch haben“, denn natürlich wird an diesen Tagen auf dem Firmengelände gefeiert und verkauft.

Ich war dieses Jahr nun erst im Mai da – und neben dem gewohnt üppigen Bild verschiedenster Farbenpracht, bot sich mir auch ein Bild von welkender Pracht. Welkend, aber immer noch Pracht. Gerade auf dem Gönninger Friedhof schien mir das so passend.

An einem älteren Mann, den ich schon lange kenne, fiel mir eines Sommers auf, dass man an den Oberarmen noch deutlich sehen kann, welche Muskeln er einmal gehabt haben muss.

Ich treffe eine Dame in der Stadt, die mit dem Rollator unterwegs ist. Ein junger, gut aussehender Mann geht an uns vorbei. Sie schaut ihm hinterher – und lächelt, während sie ganz sicher nicht auf seinen Kopf schaut.

Da war nicht nur „mal was“. Da ist was. Solang das Leben reicht. Welkende Pracht. Aber Pracht.

Bilder und Text sind geschützt und dürfen nur nach vorheriger Freigabe durch (c) David Andreas Roth verwendet werden.

Wieviel Achtung bringen wir denen entgegen, die in Positionen mit besonderer Verantwortung sind? Wieviel Macht geben wir denen, die verantwortungs-los sind?

Vor Kurzem war ich beteiligt an einem Gespräch über einen Menschen, der in einer besondere Verantwortungsposition ist. Er verdient gut in dieser Position und er ist bekannt dafür, dass er umsichtig, menschennah und vermittelnd arbeitet. Er hängt seine Macht nicht ins Schaufenster und lässt sich auch auf längere Wege ein, wenn das der Akzeptanz und den gemeinsamen Zielen dient. Er ist grundehrlich, was schwieriger wird, je höher man steigt in der Verantwortung. Das ist nicht so, weil man dann bestechlich würde, sondern weil man einfach mehr weiß als andere und dieses Wissen nur dosiert weitergeben darf, weil sonst zwischenmenschliche oder wirtschaftliche Katastrophen passieren.

Wenn man an Verkaufsverhandlungen denkt, ist das wohl für die meisten nachvollziehbar. Wenn zu früh Details an die Öffentlichkeit kommen, wird in der Regel die Verhandlungsposition von wenigstens einem der Verhandelnden geschwächt.

Wie gesagt, ich war beteiligt an einem Gespräch über diesen Menschen, der ganz offensichtlich Werte hat und Werte lebt. Integrität nennt man das. Im Gespräch ging es darum, dass genau diese Integrität von anderen grundlos in Frage gestellt wird. Sie hätten gern selbst etwas von seiner Macht, allerdings ohne seine Verantwortung und Arbeitsbelastung mit zu übernehmen. Ob bewusst oder unbewusst – indem sie nun sein Ansehen schädigen, nehmen sie ihm etwas von seiner Macht und haben – zumindest gefühlt – selbst mehr davon.

Jemand aus der Runde sagte: „Das muss er aushalten. Dafür wird er bezahlt!“ Ich dachte: „Da stimmt etwas nicht“, habe aber erst später für mich formulieren können:

Niemand wird dafür bezahlt, dass seine Integrität ohne Grund angezweifelt wird.

Ich habe diesen Beitrag zu schreiben begonnen, lange bevor Menschen angefangen haben, die Integrität von politischen Mandatsträgern in der Corona-Krise infrage gestellt wurde. Man darf über Entscheidungen derer, die die Verantwortung von uns übertragen bekommen haben, gern hinterfragen. Das gehört zur Demokratie und das hält die Demokratie auch gut aus. Sich diesen Fragen zu stellen und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen, das ist etwas, das zum Auftrag derer dazugehört, die wir gewählt haben.

Was zur Existenz von Entscheidungsträgern nicht dazugehört und nicht dazugehören darf, das ist, dass ihre Integrität von vornherein, vorverurteilend („die Politiker“, „die Manager“) in Abrede gestellt wird. Nachfragen – ja. Kontrolle – systematisch. Vorverurteilung und üble Nachrede – nie.

Ich erlebe Vorverurteilung, üble Nachrede, grundsätzliches Misstrauen und Entmenschlichung von denen, die für andere Aufgaben übernehmen und das Ganze im Blick haben sollen, leider in so vielen Bezügen. Das gibt es in christlichen Gemeinden, in Vereinen, in der Lokalpolitik genauso wie in der Landes-, Bundes- oder Europapolitik. Das ist so in Verbänden und sogar in Selbsthilfegruppen. Man spricht jemandem – durch Wahl oder Berufung – das Vertrauen aus: Du sollst im Rahmen deines Auftrages und im Sinn deiner Berufung Entscheidungen treffen! Wehe, wenn das dann tatsächlich geschieht… Irgendeiner fängt an, die anderen – schweigen, widersprechen nicht, oder ergehen sich in allgemeinen Bemerkungen, die zumindest nicht als Widerspruch verstanden werden. Manche machen mit, übertragen vielleicht ihre Wut, die an anderen Stellen gewachsen ist.

Daraus werden manches Mal ganze Lawinen, die heute gern „Shitstorm“ genannt werden.

Rufmord hat man das früher genannt, denn es ist tatsächlich Mord – ein Mensch wird ums Leben gebracht, um das Leben, das er wirklich lebt.

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, der mir sehr wichtig erscheint. So oft sind die, die besonders laut werden auch die, die für sich nur eine Rolle wirklich kennen: Die Verantwortungslosigkeit. Sie werden nicht gewählt oder lassen sich nicht wählen (und dann ihre Entscheidungen infragestellen, überprüfen, kontrollieren). Sie treffen keine Entscheidungen.

Sie bekommen viel Macht – ohne Verantwortung. Sie bestimmen die Themen – ohne von anderen in einem ordentlichen Prozess bestätigt zu sein.

Wieviel Achtung bringen wir denen entgegen, die in Positionen mit besonderer Verantwortung sind? Wieviel Macht geben wir denen, die verantwortungslos sind?

Löwenzahn, schwäbisch: Bettseucherle

Pflanzen fangen in der Regel ganz unten an – na ja, die meisten jedenfalls. Und sie recken sich nach oben. Und: Sie zeigen etwas von der Phantasie und der Fülle dessen, der sie geschaffen hat. So möchte ich auch sein. Vielleicht zieht es mich ja deshalb auch immer wieder hinaus, um zu fotografieren. Gerade jetzt, im Frühling…

Zu manchen Pflanzen hat es mich schon immer hingezogen: Zu Erdbeeren, wenn sie reif sind, aber auch zu den irgendwie exotisch wirkenden: Seidelbast ist so eine Pflanze. Und es zieht mich zu denen, die etwas von der Kraft der Urzeiten in sich haben: Schachtelhalm und Mammutbaum zum Beispiel.

Erdbeere, jetzt schon schön, aber – muss man noch warten…
Wenn die Kirschen im nachwinterlichen Wald mit ihren Blüten alles heller machen.

Das Leberblümchen hat seinen Namen angeblich von der Form seiner Blätter, die Märzenbecher – nun die blühen eben im März, die Anemonen oder Buschwindröschen bewegen sich im Wind sehr anmutig „Windsbraut“ oder „Schönheit in Bewegung“ könnte man den Namen übersetzen. Und die Küchenschelle hat mit Küche nun gar nichts zu tun, sondern mit „Küh-chen“, der kleien Kuh also. Das alles sind Frühblüher.

Schachtelhalm, den gab es schon als noch nicht einmal an Dinosaurier zu denken war…

Mammutbäume – in Württemberg sind viele auf Saatgut von Wilhelm I. gepflanzt worden, der sich bei der Bestellung von Saatgut wohl etwas vertan hatte. Und sie wachsen und gedeihen…

Für mich ist der immergrüne Baum ein Kuschel-Objekt. Ich habe es sonst nicht so mit dem Umarmen von Bäumen, aber die Rinde von diesen sanften Riesen, die muss man einfach mal gefühlt haben!

Seidelbast hat einen ganz eigentümlichen Glanz.
Direkt am Holz wachsen die Blüten des Seidelbastes. Eine so große Pflanze habe ich bislang nur einmal – im Brieltal – gesehen.

Besonders beeindruckend sind Pflanzen natürlich dann, wenn sie in Massen auftreten. Bei Leberblümchen ist es manchmal so, dass man nur eins entdeckt – und dann nach und nach mitbekommt, dass da die ganze Zeit schon tausende im Wald standen, die aber so vor sich hingeschwiegen hatten. In Überkingen, im Brieltal, im Glastal, im Pfaffental breiten sich ganze Teppiche von Märzenbechern aus. Ganz besonders beeindruckend ist das im im Wolfstal mit seinen engen Felsdurchgängen, dazwischen der „Zinnoberrote Kelchbecherling“, ein sehr seltener Pilz.

Zu den Pflanzen zieht es mich immer wieder hin. Gerade im Frühjahr, wenn sie anzeigen, dass „es“ wieder los geht. Und jedes Jahr scheine ich neue Blumen und Kräuter zu entdecken. Von vielen kenne ich die Namen nicht, aber sie sind – alle auf ihre Weise – wunderschön.

Die meisten von ihnen fangen unten an und recken sich nach oben – so möchte ich auch sein, mich nach „oben“ ausstrecken zu dem, der mich geschaffen hat – als Schönheit und als Zeichen für seine Größe.

Vögel sind unglaubliche Tiere. Gerade, wenn ich sie fotografieren möchte. Sie machen sich auf meinen Bildern häufig unsichtbar…

Rotmilan

Sie sehen: Sie sehen nichts…

Seit das Verbot körperlicher, zwischemenschlicher Nähe wegen der Corona-Pandemie gilt, habe ich plötzlich wieder mehr Zeit. Zusammen mit meiner Frau Karin oder auch allein bin ich unterwegs. Meist mit der Kamera. Und – wenn es um Vögel geht, mit einem erstaunlichen Talent, unsichtbare Tiere festzuhalten. Auf Facebook habe ich regelrechte Quiz-Veranstaltungen laufen gehabt. Und werde bis heute bei vielen Bildern, ob sie nun mit Vogelfotografie etwas zu tun haben oder nicht, gefragt, wo denn der Vogel darauf zu finden ist.

Hier, auf diesem kleinen Erdhügel auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Münsingen, habe ich die zwei Heidelerchen entdeckt, die man ganz klasse auf dem Bild…

…nicht sieht. Sie haben mich in Ruhe die Kamera in Anschlag bringen lassen, scharfstellen und dann sind sie weitergeflogen…

Manchmal gelingt auch was. Aber was ist das?

Von Zeit zu Zeit gelingt natürlich auch ein Schnapschuss! Aber was ist das dann? Natürlich habe ich ein Büchlein, mit dem ich Vögel bestimmen kann. Aber ganz ehrlich: Finken auseinanderhalten?

Ich finde die Vielzahl von kleinen Vögeln verwirend. Man muss auf alles achten und dann gibt es auch noch Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren. Viele der Finken haben eine schwarze Augenbinde….

Bei den sogenannten Raubvögeln gibt es zumindest einige, die sich leicht zuordnen lassen: Der mit dem gegabelten Schwanz ist der Milan (bei uns fast immer der Rotmilan). Der mit dem runden Schwanz, der gern einmal von Raben gejagt wird und sich dabei meist dumm anstellt, ist der Mäusebussard. Und der, der ganz still und nur mit „Rütteln“ der Flügel in der Luft stehen kann, das ist der Falke. Da gibt es allerdings auch einige Unterarten: Baumfalke, Turmfalke…

Noch viel zu lernen in Coronazeiten. Und oft verblüffend, wie viele sich dann doch auskennen und sofort bestimmen können, was da abgebildet ist.

Das Abschlussbild: Eine Mönchsgrasmücke, weiblich. Hab ich mir nicht ausgedacht. Ich habe nur lange gelauert, bis das Bild gelungen ist.

Einer kann Einfluss auf Viele haben. Das Grundprinzip wird von immer mehr Menschen verstanden seit wir von Ansteckung sprechen. Doch es gilt schon lange und es gilt in vielen Bereichen.

Ein Motorradfahrer auf der Schwäbischen Alb

Im schönen Lautertal auf der Schwäbischen Alb ist mir das einmal mehr deutlich geworden – und zwar gleich doppelt. Ich bin dorthin, weil das Tal eines der schönsten und idyllischsten Täler ist, die ich kenne. Das weltberühmte Altmühltal ist auch schön, doch an die Felsformationen, Ruinen und die Ausstrahlung des Tals der großen Lauter kommt es nicht heran. Das kurvenreiche Tal zieht natürlich auch viele Motorradfahrer an. Es macht Spaß, das verstehe ich auch als Nicht-Motorradfahrer. Wer allerdings am Wochenende hier oder irgendwo sonst auf der Scwäbischen Alb Ruhe sucht, womöglich an einem Wochenende nach einer harten Woche, der hat Pech gehabt. Denn es gibt immer den einen Motorradfahrer, der nicht wie die anderen genießt, sondern als rasender Rasenmäher, knatternder Knallfrosch und heulender Hasserzeuger Spaß am Lärm hat. Und vielen damit den Tag versaut. Rücksichtslos. Einer – Viele.

Ein Jesus

Ansteckung, Lärm, schlechte Laune, Egoismus, Raffgier, Streit – im Negativen bin ich schnell dabei, dieses Prinzip wiederzuerkennen: Einer kann Einfluss auf Viele haben. Doch es gibt zum Glück auch die andere Seite: die „ansteckende Gesundheit“, die Freiheit, die von einem für Viele erkämpft wurde, die Liebe, die ausstrahlt und viele Menschen verändert.

Denn der Menschensohn [ein Titel von Jesus, der zeigt, dass Gott einer von uns wurde] ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben, damit viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden.

Die Bibel. Das Neue Testament. Das Evangelium von Markus. Kapitel 10, Vers 45

Wer sich „bedienen lässt“? Was bedeutet das? Im Zusammenhang geht es darum, dass einige gern „Chef“, in Kinderdeutsch „Bestimmer“ sein wollen: also sich nur um sich kümmern, die Regeln selbst aufstellen und anderen auf die Nerven gehen…

Jesus sagt: Ich mache es anders – und damit befreie ich euch aus der Gewalt des Bösen.

Denn die Freiheit, die Jesus gibt, steckt an. Ich muss nicht mehr zuerst an mich denken, denn er hat zuerst an mich gedacht. Ich muss nicht „Bestimmer“ sein, denn er ist der Bestimmer.

Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.

Die Bibel. Das Neue Testament. Das Evangelium von Markus. Kapitel 10, Vers 43-44

Ach ja, und dann denke ich an das Lautertal und an Motorradfahrer. Klar, wenn alle anderen machen würden, was gut ist… Aber dann denke ich ein wenig über mich nach. Über die einzigartige Freiheit, die ich bekommen habe und wie ich sie dafür einsetzen kann, damit andere in dieselbe Freiheit kommen. Einer kann den Anfang machen. Einer kann Einfluss auf Viele haben.

Sorgen lassen sich „in diesen Zeiten“ nicht vermeiden. Wie macht man es aber richtig? Zwei Gedankenanstöße dazu…

Ich fände es schön, wenn wir uns richtig Sorgen machen. Dafür gibt es Vorbilder. Die Familienmutter, die sich in den vergangenen Wochen Sorgen gemacht hatte, dass sie und ihre Kinder infiziert werden könnten. Und dann hat sie festgestellt: Sie ist nicht wirklich bedroht. Für sie und die Kinder geht es nicht um Leben und Tod. „Ältere mit Vorerkrankungen“ sind viel mehr gefährdet. Und seitdem hat sie ihre 73jährige Nachbarin ein bisschen mehr im Blick und übernimmt das Einkaufen für sie. Das ist „richtig Sorgen machen“.

„Sorgt euch darum, dass eure Namen im Himmel notiert sind“, so hat Jesus einmal gesagt. Im Himmel sind die Namen der Menschen bekannt, die „Kranke besuchen, Hungrigen zu essen geben, Gefangene besuchen“. Sagt Jesus. Warum? Nun, wenn alle sich um das Wohl der Schwächeren sorgen, dann ist das jetzt schon der Himmel auf Erden. Dann ist es auch kein Wunder, wenn der Himmel davon Notiz nimmt. Deshalb: Wenn schon Sorgen, dann richtig. Geht doch.

Dieser Text ist am 14. März 2020 als „Angedacht“ und „Kirchenwort“ in der Südwestpresse (Metzinger Volksblatt / Alb Bote) erschienen. (c) David Andreas Roth – Veröffentlichung, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor

Eine beeindruckende kleine Wanderung, bei der Kreuze als Zeichen für das Leben eine besondere Rolle spielen.

Am Anfang des Weges bieten Wegkreuze und rote Bänke eine gute Orientierung.

Es geht los in Frauenzell, einer kleinen Ortschaft im bayrischen Allgäu. Die etwas mehr als 800 Einwohner zählende Gemeinde gehört zum Markt Altusried. Startpunkt ist neben der Kirche am Kindergarten, der über ganz besondere Verkehrszeichen verfügt. Ob er damit auf die Rush-Hour mit Bobbycars hinweisen möchte?

Wie dem auch sei, der Weg führt um die Kirche herum, ein schönes Sträßchen entlang und dann aufs Feld. Im ersten Bild kann man gut die Orientierungspunkte sehen: Rote Bänke, Feldkreuze. Es geht über Buch und Maggmanshofen in Richtung Gschnaidt. Das ist ein Weiler, der ebenfalls zu Altusried gehört. Er besteht aus zwei Kapellen und einer Gaststätte, dem Gasthof zum Kreuz.

Kurz hinter Frauenzell – der Weg steigt an, ist aber bequem zu gehen.

Ich hatte schon früher von Gschnaidt gelesen und gehört. Der Weiler ist ein Wallfahrtsort. Es gibt Sagen rund um den Berg, auf dem die wenigen Gebäude stehen. Und es heißt, der „Wald der Kreuze“ rund um die Kapellen sei „mystisch“, „ergreifend“ und „anrührend“. Das hat mich interessiert und im nachhinein kann ich sagen: Das ist alles wahr – aber untertrieben.

Der Weg führt durch den Wald immer weiter aufwärts, bis schließlich die ersten Kreuze sichtbar werden – noch bevor man die Kapellen sieht, verändert sich der Wald.

Mitten im Wald beginnt der „Wald der Kreuze“. Menschen sind hierher gekommen, um Grabkreuze in den Waldboden zu stecken, rund um die Kapellen. Namen, Bilder, Lebensdaten… Es ist mystisch, ergreifend, anrührend, plötzlich von all diesen Kreuzen umgeben zu sein.

Ich habe ständig mit dem Tod, mit Trauer und Abschied zu tun. In diesem Umfeld habe ich einmal mehr gemerkt, dass mich die andauernde Beschäftigung damit nicht imprägniert hat gegen das, was in Gschnaidt so augenscheinlich wird.

Ich habe geweint zwischen all diesen Kreuzen. Und ich hatte Mühe, meine Gefühle zu sortieren.

Der Ort hatte für mich natürlich auch etwas von „memento mori“, die Erinnerung daran, dass wir alles sterblich sind.

Doch er ist vor allem geprägt von Liebe. Menschen haben sich die Mühe gemacht, die Grabkreuze ihrer Lieben dorthin zu bringen. Sie haben sie aufgestellt, vielleicht als ganze Familie, vielleicht als die einzige Hinterbliebene – mit Respekt, mit dankbarem Erinnern, mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Jedes dieser Kreuze ist ein Lebens-Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass ein Leben Spuren hinterlassen hat im Leben von anderen.

Es sind hunderte von Kreuzen, vielleicht tausende. Ich habe nicht gezählt. Manche sind alt, ganz verwittert, manche schon zerfallen. An einer Stelle hat jemand Bilder und Christusfiguren zusammengetragen, die zu Kreuzen gehört haben.

Auch das sind Lebens-Zeichen. Liebe und Hoffnung und Glaube sind in Gschnaidt für mich zu sehen, ja, zu fühlen gewesen, nicht zuletzt deshalb, weil ein Kreuzweg an den Kapellen seine letzten Stationen hat. Mit dem Kreuz ist ein Lebens-Zeichen gesetzt für Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Glaube an ein Wiedersehen. Die Hoffnung darauf, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Die Liebe, die der Tod nicht beenden kann.

Ein mystischer Ort, ergreifend, anrührend. Und das ist noch untertrieben.

Der Weg zurück Richtung Frauenzell führt entlang des Kreuzweges, der zu den durch die Kreuze hindurch. Auf steilen Pfad geht es den Berg hinunter zu einem Brunnen und dann nach rechts auf einem breiten Waldweg weiter.

Man folgt dem Weg bis zu einer Abzweigung nach links, die nach Vorderbrennberg und weiter über Rungatshofen zurück nach Frauenzell führt. Die reine Gehzeit liegt bei etwa zwei Stunden. Auf der Wegstrecke öffnet sich mit dem Weg aus dem Wald noch einmal der Blick weit in die Ferne, bevor man wieder am Kindergarten ankommt… Gut aufpassen da. Wegen des Werkverkehrs!

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich mit dem Glauben einfach schwertun? Ein Beitrag in der Südwestpresse – Metzinger Volksblatt / Alb Bote am 11. Januar 2020

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich mit dem Glauben einfach schwertun? Das kann ja Gründe haben, ganz unterschiedliche Gründe. Es gibt aber auch Menschen, die sich mit dem Glauben „an sich“ und ohne besondere Gründe schwertun. Zu viel Gefühl, zu wenig Kontrolle. Zu viel „Gedöns“, mystisch-mythisches Gewaber, zu viel Gerede und Text und zu wenig Realitätssinn.

Der Soziologe Max Weber und der Philosoph Jürgen Habermas haben sich selbst als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet. Wie bei der Musikalität waren sie der Meinung, man müsse eine „Begabung“ dafür haben, religiös zu sein, sich dem Gottvertrauen zu öffnen.

Es wundert sicher niemand, wenn ich sage: Das stimmt nicht. Nach meiner Erfahrung gibt es unendlich viele Möglichkeiten, den eigenen Glauben zu leben. Übrigens sogar in der Kirche, auch wenn das vielleicht im ersten Moment gar nicht so „religiös“ aussieht. In praktisch-pragmatischer Hilfeleistung, mit einer Spende, durch einen Baueinsatz oder die Vermietung einer Wohnung an Menschen, die sonst vielleicht keine bekämen, im Ferientagheim, beim Maultaschenessen oder bei Metzingen chauffiert…

In einem Kinderlied, das ich sehr mag, heißt es: Wer nicht singen kann, der summt halt, wer nicht summen kann, der brummt halt, wer nicht brummen kann, der klatscht halt. HAUPTSACHE, DU BIST DABEI!

Die Jahreslosung 2020 führt mitten hinein in das Feld von Glaube, Zweifel, Selbstzweifel, Unglaube und: Nächstenliebe. Im ohnmächtigen Versuch, einem anderen zur Seite zu stehen, wird der Glaube vielleicht am meisten herausgefordert. Eine Predigt zum Jahresanfang.

Lesezeit: mindestens 20 Minuten

Ich glaube – hilf meinem Unglauben

Markus 9,24 – Jahreslosung 2020

Das ganze Kapitel 9 des Markusevangeliums ist eine einzige Berg- und Talfahrt des Glaubens. Da ist Jesus, da sind seine Jünger, die von ihm Vollmacht bekommen haben, das zu tun, was er auch tut. Da sind die drei, die mit ihm auf einen Berg gehen, fast eine Woche lang und dort mystische Erfahrungen machen. Sie sehen Elia und Mose, hören die Stimme Gottes in nie gekannter Klarheit. Gott sagt: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!

Diese drei können mit Jesus nicht nur über seinen Tod, sondern vor allem über die Auferstehung sprechen. Und dann kommen sie wieder unten an und das ist dann auch „unten“.

Mitten hinein in einen Streit zwischen den Jüngern, die nicht mit auf dem Berg waren, und einigen Schriftgelehrten, also in der jüdischen Tradition sehr gut unterrichteten Menschen, kommen sie! Es geht darum, dass die Jünger versagt haben, während Jesus mit den anderen Jüngern in geistlichen Höhen unterwegs war.

In diesen Tagen ist in Augsburg die „MEHR“-Konferenz. 12.000 Menschen sind dort jetzt gerade. In Stuttgart ist die Jugendmissionskonferenz, 5000 Menschen werden dort erwartet. Über 10.000 Menschen sind auf dem Leitungskongress von Willow Creek Ende Februar in Karlsruhe und 15 Übertragungsorten in Deutschland sein. Während dort geistliche Höhenflüge erlebt werden, während die Menschen in Anbetung und Konzentration auf Gott gestärkt werden, findet andernorts das ganz normale, angefochtene Leben statt.

Nichts Neues. Die Jünger haben damals genau das erlebt. Und dann kommen die, die auf der Konferenz in himmlischen Höhen, auf den Bergen des Glaubens waren, zurück – und haben für alle gute Tipps…

Doch so ist es nicht. Jesus fragt nach: Was ist hier los? Er hat nicht gleich Tipps, er fragt, was los ist, und es beginnt etwas, das uns tief in eine Wahrheit des Glaubens hineinführt, die der katholische Theologe Karl Rahner einmal so ausgedrückt hat:

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.

Karl Rahner

Ich hole deshalb so weit aus, weil Markus es in seinem Evangelium so macht. Und weil ich den „erbaulichen“ Teil bereits am Neujahrstag gepredigt habe, nehme ich die Gelegenheit wahr und gehe etwas tiefer. Denn es werden nun zwei Geschichten erzählt. Die eine ist die Geschichte eines verzweifelten Vaters, der nicht lockerlässt. Und die andere ist die Geschichte der Jünger, die voller Vertrauen, voller Glauben, helfen wollen. Und dabei scheitern.

Der verzweifelte Vater

Schauen wir uns zuerst den verzweifelten Vater an. Warum? Weil Jesus das auch zuerst tut. Die Jahreslosung hat – so losgelöst sie dasteht – eine Gefahr in sich: Sie suggeriert, dass es um „meinen Glauben“ geht, dass es darum geht, ob ich stark bin, fest, immer überzeugt und voller Hoffnung.

Aber:

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes aushalten.

Und glauben bedeutet in dieser Episode aus dem Leben der Jünger mit Jesus, dass sie sich mit ihrem Glauben für jemand anderen einsetzen. Die großen Erlebnisse des Glaubens mögen aus der Stille und aus dem Gebet, aus der Zweisamkeit mit Gott kommen. Doch sie ereignen sich nicht dort, sondern da, wo der Glaube zur Tat der Liebe wird, zur Barmherzigkeit.

Es zählt der vertrauende Glaube, der sich in tätiger Liebe zeigt.

Galater 5,6

Hintergrund des Streitgespräches zwischen den Schriftgelehrten und den Jüngern ist, dass sie jemandem nicht helfen konnten. Dieser Vater ist zu ihnen gekommen, weil auch er nicht für sich selbst, sondern für einen anderen, für seinen Sohn nämlich, geglaubt hat.

Alles hat er durch, nun kommt er zu den Jüngern. Anscheinend können die ja auch was. Jesus ist nicht vor Ort, doch sie trauen es sich zu, beten für den Jungen, der von einem bösen Geist besessen ist.

Sie beten – und nichts passiert. Der Junge hat dieselben Probleme wie zuvor. Und die Schriftgelehrten haben einen Grund, den Jüngern vorzuwerfen, sie würden hier irgendwelchen Hirngespinsten nachgehen, einem Irrglauben, dass man so jemanden heilen könne!

Jesus fragt nach. Die Jünger sagen ihm, dass sie gescheitert sind. Und er? Er hält sich nicht damit auf, sondern fragt den Vater, warum er gekommen ist. Und der wiederholt – wie oft hat er das wohl schon erzählt? – dass sein Sohn von einem bösen Geist heimgesucht wird.

So ist die Diagnose – immer wieder hat der Junge Anfälle, wälzt sich dann, hat Schaum vor dem Mund. Er hat keine Kontrolle mehr über sich, ist bei seinen Anfällen auch schon in offenes Feuer oder ins Wasser gestürzt, als würde er dorthin gezerrt. Auch jetzt, als der Geist Jesus sieht, geht es wieder los. Und der Mann, der Vater, er hat doch auf Jesus gesetzt, hat ihm vertraut, in Form seiner Anhänger, hat ihnen seinen Sohn anvertraut.

Und Jesus bleibt bei ihm, hört zu, fragt nach: Wie lange hat er das schon? Der Vater erklärt: Von klein auf schon!

„Hab doch Erbarmen mit uns und hilf uns, wenn du kannst!“, so sagt der Vater. „Wer auf Gott vertraut, dem ist alles möglich“,

„Wer auf Gott vertraut, kann alles!“

– das ist die Antwort von Jesus. Im Ernst! Und er provoziert damit den Satz, der unsere Jahreslosung 2020 geworden ist:

Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!

Was macht der Vater denn die ganze Zeit? Er hat doch vertraut, er hat doch geglaubt, er hat doch alles, wirklich alles probiert. Er hat seinen Jungen nicht aufgegeben, er hat ihn hierher gebracht!

Das ist das, was am schwersten auszuhalten ist: Wenn es nicht um uns selbst geht, wenn wir nicht für uns selbst, wenn wir für einen anderen, einen geliebten Menschen hoffen, beten, kämpfen. Wenn wir in die Kirche gehen, in Gottesdienste, in Gebetsversammlungen und Hauskreise, auf Konferenzen und Tagungen, wenn wir täglich beten für jemanden – und wir spüren nichts als Ohnmacht.

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes aushalten.

Der Vater glaubt doch! Und gleichzeitig kann er ja nicht so tun, als wäre da kein Zweifel, als wäre da nicht die Frage, warum bis jetzt immer noch nichts geschehen ist, nichts besser geworden ist. Das ist nicht die theoretische Frage nach der Gerechtigkeit Gottes. Es geht auch nicht darum, warum Gott den Krieg in Afghanistan nicht beendet. Das sind Gedankenspielchen und oftmals arrogante, weltfremde und sogar zynische Spielchen. Überheblichkeit, die davon ausgeht, dass man selbst Gott überlegen ist und ihm sagen könnte, was er zu tun hat.

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.

Der Vater leidet! Er ist ohnmächtig, abhängig, fragt sich, wie sein Glaube noch stärker sein könnte, wie er fester sein könnte und ob er dann nicht mehr ohnmächtig, sondern mächtig wäre, ob er dann also etwas „kann“. „Wer Gott vertraut kann alles“, so war das doch!

Aber bevor noch der Selbstzweifel, denn um den geht es hier viel stärker als um den Gotteszweifel, bevor noch der Selbstzweifel obsiegt, greift Jesus ein. Er zeigt, dass genau das der Glaube ist, der die eigene Situation so realistisch einschätzt. Nicht die Glaubensstärke, sondern das Aushalten im Vertrauen führt zum Handeln von Jesus.

Der handelt nun schnell – es kommen immer mehr Menschen zusammen. Wer sich darüber wundert, wenn er die Geschichte liest: Das ist so ein „Markus-Ding“. Im Markusevangelium wird immer wieder betont, dass Jesus nicht zu viel Aufhebens um seine Person und um die Wunder machen möchte.

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes aushalten.

Er handelt nun also schnell. Es wird noch einmal sehr dramatisch. Der Junge bäumt sich in einem letzten Anfall auf, zuckt, bleibt dann liegen und einige vermuten sofort, dass er jetzt gestorben ist. Doch Jesus nimmt seine Hand und hilft ihm auf die Beine. Es ist geschafft, er ist befreit, geheilt.

Die Jünger

Die Jünger haben den Satz von Jesus auch gehört:

Wer Gott vertraut, kann alles.

Sie konnten es nicht. Und das nagt an ihren Seelen, an ihrem Selbstverständnis. Sie glauben doch! Sie haben für Jesus ihr ganzes Leben umgekrempelt. Sie haben mit ihm und in seinem Auftrag schon so erstaunliche Dinge getan, ja, auch Geister ausgetrieben und Krankheiten geheilt!

Das ganze Erlebnis lässt auch sie an ihrem Glauben, an sich zweifeln.

„Warum konnten wir den bösen Geist nicht austreiben?“ – so fragen sie sich. Und so entsteht ein schlechter Zweifel. Wenn wir uns fragen. Wenn wir in uns fragen. Wenn wir den Grund und die Antworten in uns suchen.

Die Jünger machen es besser. Sie sprechen mit Jesus. Als sie wieder im Haus sind, daheim, in Ruhe, mit ihm allein sind, da fragen sie ihn.

Wisst ihr, wie man das nennt, wenn man mit Jesus spricht? Man nennt es „Beten“. Sie sprechen mit Jesus und sie fragen: „Warum konnten wir den bösen Geist nicht austreiben?“ Das ist ein guter Zweifel.

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes aushalten.

Aber es bedeutet nicht, mit dieser Unbegreiflichkeit allein zu sein. Ob wir uns selbst in Zweifel ziehen, ob wir Gottes Liebe in Zweifel ziehen, ob wir in Zweifel gezogen werden von denen, die uns argwöhnisch beäugen oder ob wir in Zweifeln untergehen, verzweifeln, weil es einfach denen so schlecht geht, denen wir das Beste wünschen: Wir sind nicht allein damit.

Jesus hat eine erstaunliche Antwort für die Jünger: „Nur durch Gebet können solche Geister ausgetrieben werden“. Was ist das für eine Antwort?

Es bedeutet: Auch beim nächsten Mal werden sie es nicht „können“. Woher sollen sie je wissen, ob es „solche Geister“ sind oder andere? Wie sollen sie erkennen, was zu tun ist?

Nur, indem sie mit Jesus in Kontakt bleiben. Das ist die Geschichte von uns Jüngerinnen und Jüngern, von denen, die Jesus nachfolgen und glauben, vertrauen. Wir vertrauen darauf, dass Jesus uns losgeschickt hat, dass er uns einen Auftrag gegeben hat, dass er uns Menschen gezeigt hat, die wir lieben und mit denen wir mitleiden, für die wir da sind.

Mitten hinein in die Ohnmacht also hat Gott uns geschickt. Und mitten in dem, was wir im Alltag des Glaubens erleben, sagt er uns: Es ist O.K., wenn du an dir selbst und deiner Glaubensstärke zweifelst. Es ist O.K., wenn du auch an meiner Kraft zweifelst. Es ist normal, wenn du die Ohnmacht spürst.

Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.

Aber es bedeutet auch, dass du darin nicht allein bist. Was macht der verzweifelte Vater? Er betet. Ich glaube – ganz selbstbewusst. Hilf meinem Unglauben – ganz realistisch.

Was machen die Jünger? Sie beten. Warum haben wir es nicht können? Und sie bekommen die Antwort: Bleibt mit mir im Kontakt, betet. Anders geht es gar nicht.

Vertraut – mitten im Unglauben. Seid ruhig ein bisschen ungläubig – mitten im Glauben und Hoffen für andere. Hört nur nicht auf, mit mir zu reden. Dieser böse Geist lässt sich nur durch Beten austreiben. Welchen Geist wohl damit gemeint hat? Vielleicht ja den Geist der Allmachtsphantasien und den Geist des Selbstzweifels. Das könnte sein. Der lässt sich nur durch den Kontakt zu Jesus vertreiben.

Amen.

(c) David Andreas Roth, Wiedergabe – auch in Auszügen – nur nach Freigabe durch den Autor.
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