Wo wir hinkommen, wenn wir gehen? Treffen die einen die richtige Wahl und die anderen leiden ewige Qual? Was ist mit Unwissenden und Kindern? Die können nicht wählen. Wird der „gerechte Gott“ auch sie ewig quälen? Oder ist da ein Vater, der alle liebt und jedem das ewige Leben gibt?

Nur Jesus rettet, aber er rettet!

Als Kind habe ich gelernt, dass Gott von mir eine Entscheidung erwartet, die schon hier und jetzt den Ausgang der großen Gerichtsverhandlung nach dem Tod entscheidet. Himmel oder Hölle? Soll Jesus dein Freund sein? Willst du ihm dein ganzes Leben anvertrauen? Damit sollte die Fahrkarte in den Himmel gelöst sein.

Aber, mal ganz im Ernst: Will ich glauben, was mir als Kind erzählt wurde? Will ich glauben, dass ein 7-jähriger wegen seiner Sünden und weil Gott in seiner Gerechtigkeit nicht anders kann, ohne „die Entscheidung“ auf ewig in der Hölle schmoren wird? Diese Fragen sind berechtigt, aber sie sind nicht ausschlaggebend. Sollte es wahr sein, dass Gott in der Bibel so beschrieben wird, dann wäre es eben so. Da könnte man nichts machen.

Meine Ansichten haben sich in meinen „jungen Jahren“ eher noch radikalisiert. Überall in der Bibel traf ich auf Gerichtsankündigungen. Sie ist voll davon und mir schien es als müsse auch ich andere davor bewahren unwissentlich in den Abgrund der Hölle zu stürzen. Mein missionarischer Eifer war groß, mein Antrieb war ehrliche und echte Besorgnis.

Es gibt nur einen Weg zu Gott – und die Menschen sollten sich zu ihrem eigenen Besten dafür entscheiden:

Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.

Johannes 14,6

Neue Akzente

Ich spürte immer wieder etwas davon, dass durch die not-wendige Mitarbeit der Menschen etwas von Gottes Vollmacht beschränkt wurde. Ich merkte vor allem auch, dass es in der Bibel, vor allem im Neuen Testament, auch eine andere Linie gab: Es schien als wolle Gott den Weg, der ausschließlich in Jesus zu finden ist, für alle öffnen:

Denn es hat auch Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe, zwar getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt, die einst ungehorsam gewesen waren…

1Petrus 3,18-19

Der Wille Gottes schien an manchen Stellen so klar. Es sollen nicht nur die, die es begriffen haben, bei Gott zuhause sein, sondern – in meinen Ohren fast schon Frevel: Alle!

Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt.

Römer 11,32

Hier und an vielen anderen Stellen schien es, als wäre die Entscheidung des Einzelnen nicht so wichtig, weil sich eines Tages sowieso alle Knie vor Jesus beugen würden (Philipper 2,9-11).

Es gab einen Begriff für diese eigentümliche Lehre: Allversöhnung oder auch Allerlösung. Sie hatte Antworten darauf, was mit denen ist, die kognitiv gar nicht in der Lage sind, zu „erkennen“. Die Lehre von der Versöhnung aller hatte Antworten darauf, wie ein liebender Gott sich entscheidet zu lieben mit bedingungsloser Liebe. So konnte es Hoffnung geben für alle. Der theologische Denker Karl Barth soll einmal gesagt haben, dass die Bibel eindeutig sei, dass es eine Hölle gibt, aber sie müsse ja nicht bevölkert sein.

Irritationen

Um es deutlich zu sagen: So sympathisch der Gedanke ist, dass nach dem Tod nichts als Liebe auf uns wartet, auch diese Sicht auf das, was nach dem Tod kommt, ist zu eindimensional.

Erstens reduziert sie Gott: Ein gerechter und ein heiliger Gott muss doch die Verbrecher und die, die hohnlachend seine Gebote missachten auf irgendeine Weise zur Rechenschaft ziehen. Wer sollte vor diesem „Göttlein“, das sich auf Liebe festgelegt hat, Respekt haben?

Dadurch wird zweitens der Glaube reduziert auf an einen „lieben Gott“, der es dann am Ende schon richten wird ohne zu richten. Das muss nicht, das kann aber in der Glaubenspraxis zu einer der „Todsünden“ führen: zur Trägheit.

Drittens gibt die Bibel mehr her als das. In seiner Rede vom Endgericht in Matthäus 25, 31-46 macht Jesus deutlich, dass es mindestens ein Kriterium (einen Beurteilungsmaßstab) gibt, den er an Menschen anlegt: Liebe, die zur Tat wird.

Viertens wird das Leben vor dem Tod reduziert. Diese eindimensionale Sicht verleitet dazu, sich auf der Entscheidung Gottes auszuruhen (wir alle sind gerettet, soll doch die Welt untergehen). Wenn mit dieser Lehre das Erleben von bedrohlicher Ungerechtigkeit verbunden ist, ist die Erfahrung, dass der allmächtige Gott auf meiner Seite ist, einfach nicht möglich. Er ist vielleicht auf meiner Seite, doch er ist auch auf der Seite meiner Peiniger…

Müssen die nicht wenigstens durch so etwas wie ein Fegfeuer?

Fortsetzung folgt…