Wo wir hinkommen, wenn wir eines Tages gehen? Werden wir uns wiedersehen? Gibt es ein „unten“ und ein „oben“ – wer geht dann in den Keller und wer landet droben? Treffen die einen die richtige Wahl und die anderen leiden ewige Qual? Was ist mit Unwissenden und Kindern? Die können nicht wählen. Wird der „gerechte Gott“ auch sie ewig quälen? Oder ist da ein Vater, der alle liebt und jedem das ewige Leben gibt? Wenn am Ende für alle „Willkommen“ steht: Was ist dann mit Stalin und Hitler und Pinochet? Und was ist mit den Opfern der Tyrannen? Sind alle friedlich zusammen? Kommen die Täter schon wieder davon – im Zeichen des liebenden Gottessohns? Und was ist mit mir, mal heilig, mal Täter – was wird aus mir, später?

Ich bin noch unterwegs

Um es vorweg zu sagen: Ich habe keine fertigen Antworten. Ich war auch noch nicht „drüben“, um nachzusehen. Ich bin noch unterwegs.

Für mich selbst freue ich mich darauf, einmal bei Gott anzukommen, dort, wo keine Fragen mehr offen sind, wo es kein Leid mehr geben wird, keine Tränen, kein Kriegsgeschrei und keine Ungerechtigkeit. Ich freue mich bei Gott anzukommen, der mein Vater ist und der mich liebt. Ich hoffe darauf, bei ihm zu sein ohne Zeit und Begrenzung.

Ich kann weit zurückschauen auf den Weg, den ich mit der Frage, was nach dem Tod kommt, gegangen bin. Links und rechts des Weges gibt es einige Mülleimer, in denen man meine fertigen Antworten finden kann, die ich einmal hatte.

Gerettet oder nicht

Ich wurde als Kind schon gefragt, wo ich „meine Ewigkeit“ verbringen wolle: Im Himmel oder in der Hölle. Die Alternativen wurden klar vor Augen gestellt: Entweder gerettet mit Gott im Licht, oder im ewigen Feuer unter gräßlichen Schmerzen. Ich müsse mich nur „entscheiden“. Ich weiß nicht mehr wie oft ich mich entschieden habe, aber da ich auf einigen Freizeiten und vielen Kinderwochen war, kann es gut sein, dass es regelmäßiger geschah als meine Zahnarztbesuche.

Die, die damals gefragt haben, hatten gute Argumente – und manche auch ein „Retterherz“, wie man damals gern sagte: Sie waren ernsthaft besorgt um mich und die anderen Kinder, dass Gott uns bestrafen könnte für unsere Sünden, wenn wir uns nicht für die richtige Seite entscheiden.

Ihr Argumente stehen in der Bibel:

Jeder Mensch muss einmal sterben und danach kommt er vor Gottes Gericht.

Hebräer 9,27

Es gibt ein Gericht! Aus meiner heutigen Sicht hat dieser Gedanke auch etwas Beruhigendes. Wie sollte ich sonst an einen Gott glauben können, der gerecht ist? So viele kommen diesseits des Todes mit ihrem Unrecht durch, leben in Saus und Braus während sie anderen das Leben schon hier zur Hölle machen. Mir hilft es, dass die Bibel betont, dass sie nicht einfach so davonkommen werden.

(…) es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden; die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des Gerichts.

Johannes 5,28-29

So hat man mich schon als Kind vor die Wahl gestellt. Jesus war auch wichtig, weil er die Wahl überhaupt erst möglich gemacht hat. Doch entscheidend war die Entscheidung: Wo willst du deine Ewigkeit verbringen? Wenn du dich jetzt nicht entscheidest, kann es für immer zu spät sein!

Irritationen

Um es deutlich zu sagen: Diese eindimensionale Sicht hat bei mir keine psychischen Schäden hinterlassen, aber sie kann so einfach nicht die ganze Wahrheit sein.

Erstens reduziert das Gott auf Reiz und Reaktion. Er ist nur noch der Knotenpunkt in einem Flussdiagramm: Entscheidung? Ja – Himmel. Nein – Hölle. Das ist das Verhalten von Einzellern, aber nicht vom souveränen Gott.

Zweitens gibt folgerichtig die Bibel mehr her als das. Ich komme in den folgenden Beiträgen darauf zurück.

Drittens wird der Glaube reduziert auf eine „Entscheidung“ zwischen Gut und Böse, zwischen Rettung und Verdammnis reduziert – eine Entscheidung, die Kinder nicht treffen müssen, viele geistig Behinderte und verantwortlich und intellektuell redlich Denkende nicht treffen können.

Viertens wird das Leben vor dem Tod reduziert. Diese eindimensionale Sicht verleitet dazu, sich auf der Entscheidung auszuruhen (ich bin gerettet, soll doch die Welt untergehen). Wenn mit der Entscheidung auch verbunden ist, dass man sich des neuen Lebens als „würdig“ erweisen muss, dann bedeutet das, auch weiterhin in Angst und Schrecken zu leben: Auch kleine Versäumnisse können einen vor dem heiligen Gott wieder schuldig machen. Hat man sie nicht „bekannt“ und um Vergebung gebeten, dann gibt es auch keine Vergebung. Schade, aber so ist das nun einmal…

Fortsetzung folgt…