Meine Kindergärtnerin „Tante Bäuerle“ hatte eine einfache Lösung, wenn ein Kind sich fürchtete, etwas zu tun: „Dann nimmst du deine Freundin an der Hand und dann kannst du alles.“ So haben ängstliche Kinder gelernt, in den dunklen Schuppen zu gehen, um Apfelsaft zu holen. Körperlich schwache Kinder haben bei langen Spaziergängen Muskeln aufgebaut und scheue Kinder haben bei Theateraufführungen mitmachen können.

„Schwester Liesel“ von den Aidlinger Schwestern war eine von denen, die mir schon als kleines Kind die Augen dafür geöffnet hat, dass Gott mein Freund ist, der immer bei mir ist. Er nimmt meine Hand – und dann kann ich einfach alles. Ob ich ängstlich, schwach oder scheu bin: Er ist da. Ob die Zeiten dunkel, anstrengend oder überfordernd sind: Er ist da.

Und mit ihm schaffe ich alles.

Ich selbst bin nicht „Tante Bäuerle“ oder „Schwester Liesel“, aber ich habe vom Rat dieser Frauen profitiert. Und deshalb schreibe ich genau diesen Rat für Sie heute auf: Wenn Sie sich vor etwas fürchten, suchen Sie die Hand eines Freundes oder einer Freundin. Machen Sie es gemeinsam. Und in vielen Fällen ist es wunderbar leicht, die Hand Gottes zu nehmen, zu beten: Sei mir nah! Und er sagt: „Ich bin hier, mein Freund, an deiner Seite. Ich bin hier, meine Freundin. Du schaffst das!“

Dieser Beitrag erschien am 5. September 2020 in der Südwestpresse Metzinger / Uracher Volksblatt und Alb Bote als „Angedacht“ bzw. „Kirchenwort“. Verwendung nur nach vorheriger Einverständniserklärung durch den Autor (c) David Andreas Roth