Wir sind Kinder eines Vaters – was, wenn wir das ernst nähmen? Ein Abendgedanke am 12. August 2020 auf SWR4.

Manchmal habe ich einen verrückten Traum. Ich träume, dass alle, die Gott Vater nennen tatsächlich glauben, dass er ihr Vater ist. Wir alle haben einen Vater im Himmel. Ich träume, dass all die Milliarden von Menschen, die das Vaterunser beten, das glauben.


Ich träume, dass die von ihren Vätern Verlassenen entdecken, dass sie einen ewigen Vater haben, der sie liebt und will und zu ihnen steht für immer.
Ich träume, dass die, die von ihren Vätern geprügelt und missbraucht wurden, heil werden, weil es diesen göttlichen Vater wirklich gibt, der sie achtet und wieder zurückholt ins Leben.

Ich träume, dass wir zu ihm kommen, wenn wir selbst Mist gebaut haben, weil wir wissen, wenn wir als seine verlorenen Töchter und Söhne zu ihm kommen, dann läuft er uns in Liebe entgegen und feiert mit uns den Neuanfang.


Ich träume davon, dass die ungeschriebenen Gesetze der Familien, aus denen wir kommen, ihre Bedeutung verlieren. In der Familie unseres Vaters gelten die Gesetze der Liebe und der Mitmenschlichkeit. Hier lernen wir, ehrlich zu sein und gnädig zugleich, klar und wahr und ebenso barmherzig, weil wir alle Kinder eines Vaters sind.


Ich träume, dass wir das wirklich glauben, dass wir alle Kinder eines Vaters sind. Ich träume, dass wir es endlich als die Wahrheit leben, dass das unsere Abstammung ist, egal wie wir aussehen und welche Geschichte wir mitgebracht haben und ob wir unseren Vater im Himmel schon kennen.
Ich träume, dass wir es nicht aushalten, wenn andere Kinder unseres Vaters auf der Flucht sind vor den Waffen, die wir gebaut haben, vor dem Unrecht, das wir unterstützt haben, vor der Ungerechtigkeit, die uns reich macht. Sie sind unsere Geschwister!


Manchmal habe ich diesen verrückten Traum. Ich träume, dass alle, die Gott im Vaterunser Vater nennen, / ich träume, dass all die Milliarden von Menschen weltweit das tatsächlich glauben: „Wir sind Kinder eines Vaters, der barmherzig mit uns ist – und uns bittet: Seid barmherzig miteinander!“ (Henning Rauhut)

Dieser Beitrag wurde am 12. August 2020 als Abendgedanke auf SWR4 gesendet. Veröffentlichung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth.