So was wie „Stuttgart“ am 20. Juni? Sich aufregen ist leicht und berechtigt. Schwerer ist es, sich selbst zu beobachten. Ich bin auch so. Du bist es auch. Lasst es uns ändern!

Ich war geschockt von den Berichten von der Krawallnacht in Stuttgart. Ich habe mit denen mitgelitten, die ihre Läden gerade nach langer Zwangspause wieder aufgemacht hatten. Was für ein Schaden! Und welche Angst hat das ausgelöst!

Natürlich hilft Verfolgung und Bestrafung allein nicht. Natürlich muss nach den Ursachen gefragt werden. Und doch müssen auch Konsequenzen folgen für die, die sich über die Regeln stellen, die für alle gelten, damit alle im Frieden leben können.

Diese Gedanken haben mich in den folgenden Tagen sensibel gemacht dafür, wo sich Menschen über die Regeln stellen. Natürlich habe ich „Jugendliche“ im Blick gehabt, aber massiv aufgefallen sind mir dann doch die, die vielleicht am lautesten geschimpft haben über „die Jungen“: Die 50jährige, die ihre Zigarette auf den Boden schmeißt, der 40jährige, der die Hinterlassenschaft seines Hundes lässt, wo sie hinfällt und der rasende Renter, der versucht, mich mit 70 Sachen durch die Baustelle in Reutlingen zu jagen. Stuttgart auf der Straße.

Es steckt in uns allen, dass wir uns über die Regeln stellen, uns über andere stellen und sie schädigen. Ich selbst bin da keine Ausnahme. Kein Vergleich zur Krawallnacht, klar. Oder doch? Jesus sagt einmal: „Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ Damit soll nicht gesagt sein, dass der Krawall in Stuttgart nur ein Splitter gewesen sei. Jesus meint einfach, wir sollten nicht zuerst andere verurteilen, sondern uns selbst mal unter die Lupe nehmen…

Dieser Beitrag ist am 11. Juli 2020 in der Südwestpresse (Metzinger Volksblatt / Alb Bote) erschienen. Verwendung, auch in Auszügen, nur nach vorheriger Genehmigung durch den Autor (c) David Andreas Roth.