„Eid mubarak“ heißt „Ein gesegnetes Fest!“ Das ist der Gruß zum Zuckerfest, das in diesen Tagen den Fastenmonat der Muslime abschließt. Einen Monat haben die gesunden Erwachsenen tagsüber nichts gegessen. Wer es sehr ernst genommen hat, hat viel im Koran gelesen und sich Zeit zum Gebet genommen. Als Christ achte ich diese Disziplin und weiß: Wir alle suchen Gott. Das verbindet.

Ich weiß auch: Wir suchen denselben Gott. Aber wir glauben nicht an denselben Gott. Es ist christlicher Glaube, dass Gott einen Sohn hat. Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass Jesus für unsere Schuld gestorben und dann auferstanden ist. Jesus Christus kam in die Welt, damit wir vor Gott als gerecht bestehen können, nicht durch religiöse Pflichterfüllung, sondern aus Gnade, also durch Liebe ohne Gegenleistung. Die Vergebung durch Christus macht christlichen Glauben aus: Die Liebe Gottes befreit Menschen, die dann ebenfalls vergeben und lieben.

Das kennt der Islam nicht. Doch die Suche nach Gott verbindet. Muslime und Christen, die es ernst meinen, wissen: Gott zeigt sich selbst, wenn man ihn ernsthaft sucht. Das ist „Segen“, also „Seine Sache“. In diesem Sinne: Eid mubarak, ein gesegnetes Fest!

Dieser Beitrag ist am 23. Mai 2020 in der Südwestpresse, Metzinger-Uracher Volksblatt / Alb Bote erschienen. Verwendung, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor (c) David Andreas Roth