Gerade jetzt braucht es Gottvertrauen, das zupackt.

Dieser Beitrag ist am 13. Mai 2020 auf SWR1 und SWR4 als „Anstoß“ bzw. „Morgengedanke“ gesendet worden. Veröffentlichungen, auch auszugsweise nur nach vorheriger Zustimmung des Autors (c) David Andreas Roth

Irmgard und Hans* sind Menschen, die mir mit ihrem Gottvertrauen Mut machen. Im Moment kann ich – wie viele andere – genau das brauchen! Ihr Gottvertrauen hat sie stark gemacht. Und das in Schwierigkeiten, die größer waren als alles, was ich gerade erlebe.

*Namen und einige Informationen zum Umfeld sind geändert, um die realen Personen zu schützen.

Hans ist in den Krieg hinein aufgewachsen. Er war 14 Jahre alt, da musste er von einem Tag auf den anderen erwachsen sein. „Vertreibung“ hat man das später genannt. Hals über Kopf mussten sie das Dorf verlassen, in dem er bis dahin gelebt hatte. Der Vater gefallen, die Mutter krank, die Brüder in Gefangenschaft. Der 14jährige musste organisieren, trösten, ermutigen, weitreichende Entscheidungen treffen.

Er war überfordert. Er hatte keine Wahl. Er musste sich Regeln beugen, die er nicht verstand.

Das kenne ich aus jüngster Vergangenheit selbst. Überfordert. Keine Wahl. Regeln, die ich nicht verstehe. Doch: Nein, es war nicht „fast so wie heute“. Es war eindeutig viel, viel schwieriger.

Als Irmgard und Hans geheiratet haben, hatten sie buchstäblich nichts. Hans hat mir erzählt wie er dann im Wechsel mit seiner Frau geschichtet hat, weil sie nur so in der Lage waren, ein Haus für sich und die vier Kinder zu bauen, eine Heimat zu schaffen. „Wir haben gebetet und geweint und gearbeitet Tag und Nacht“ so erzählen sie es. Wenn Hans morgens von der Nachtschicht kam, ging Irmgard zur Arbeit – sie hatte das Frühstück vorbereitet, er machte die Kinder für den Tag fertig, wickelte, fütterte, putzte und kochte. Wenn seine Frau wieder da war, schlief er nur ein paar Stunden, denn Hans hatte gleich mehrere Arbeitsstellen.

„Wir haben gebetet und geweint und gearbeitet Tag und Nacht“ sagen sie. Und dann erzählen sie mit strahlenden Augen von kleinen Ausflügen, die sie zu Fuß gemacht haben mit den Kindern und von all dem Guten, das sie erlebt haben. Sie erzählen wie das Haus wirklich zur Heimat wurde für die Kinder und deren Freunde, für Pflegekinder und einige Tiere.

Mich beeindruckt das Gottvertrauen, mit dem sie das angepackt haben. Das macht mir Mut. Irmgard und Hans sagen: „Gott denkt immer an uns, wir sollten mehr an ihn denken, dann machen wir uns nicht so viele Sorgen, sondern tun einfach, was wir können.“

Dieses Gottvertrauen ist lebendig, aktiv. Irmgard und Hans haben ihre Schwierigkeiten nicht ausgeblendet. Sie waren sich einfach sicher, dass Gott immer an sie denkt. Und so haben sie sich an die Arbeit gemacht, haben angepackt und auch die größten Schwierigkeiten gemeistert. Vertrauen und Anpacken. Vorbild für heute.