In Gönningen, fast auf der Alb, gibt es jedes Jahr im April zwei Sonntage, an denen die Tulpe in allen möglichen Farben und Formen im Mittelpunkt steht. Der Ort, der im 19. Jahrhundert durch die Vielzahl von Samenhändlern bekannt war, hat heute zwar nur noch einen großen Samenhandel. Er zieht aber viele, viele Besucher an, wenn die große Blüte den Ort in bunte Farben taucht. Das ist jedes Jahr so.

Jedes Jahr? Nein, in diesem Jahr mussten die „offiziellen“ Tulpensonntage im April ausfallen. Überall im Ort sind aber natürlich die Tulpen zu sehen – am Ortseingang geht es los, in den Vorgärten, Gärten, rund um den Samenhandel und – ein besonderes Highlight: Auf dem Friedhof!

Ich bin immer wieder gern dort. Es ist eine Mischung aus Volksfest und andächtiger Stille, aus Staunen und: „Will ich auch haben“, denn natürlich wird an diesen Tagen auf dem Firmengelände gefeiert und verkauft.

Ich war dieses Jahr nun erst im Mai da – und neben dem gewohnt üppigen Bild verschiedenster Farbenpracht, bot sich mir auch ein Bild von welkender Pracht. Welkend, aber immer noch Pracht. Gerade auf dem Gönninger Friedhof schien mir das so passend.

An einem älteren Mann, den ich schon lange kenne, fiel mir eines Sommers auf, dass man an den Oberarmen noch deutlich sehen kann, welche Muskeln er einmal gehabt haben muss.

Ich treffe eine Dame in der Stadt, die mit dem Rollator unterwegs ist. Ein junger, gut aussehender Mann geht an uns vorbei. Sie schaut ihm hinterher – und lächelt, während sie ganz sicher nicht auf seinen Kopf schaut.

Da war nicht nur „mal was“. Da ist was. Solang das Leben reicht. Welkende Pracht. Aber Pracht.

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