Religiös unmusikalisch?

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich mit dem Glauben einfach schwertun? Ein Beitrag in der Südwestpresse – Metzinger Volksblatt / Alb Bote am 11. Januar 2020

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich mit dem Glauben einfach schwertun? Das kann ja Gründe haben, ganz unterschiedliche Gründe. Es gibt aber auch Menschen, die sich mit dem Glauben „an sich“ und ohne besondere Gründe schwertun. Zu viel Gefühl, zu wenig Kontrolle. Zu viel „Gedöns“, mystisch-mythisches Gewaber, zu viel Gerede und Text und zu wenig Realitätssinn.

Der Soziologe Max Weber und der Philosoph Jürgen Habermas haben sich selbst als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet. Wie bei der Musikalität waren sie der Meinung, man müsse eine „Begabung“ dafür haben, religiös zu sein, sich dem Gottvertrauen zu öffnen.

Es wundert sicher niemand, wenn ich sage: Das stimmt nicht. Nach meiner Erfahrung gibt es unendlich viele Möglichkeiten, den eigenen Glauben zu leben. Übrigens sogar in der Kirche, auch wenn das vielleicht im ersten Moment gar nicht so „religiös“ aussieht. In praktisch-pragmatischer Hilfeleistung, mit einer Spende, durch einen Baueinsatz oder die Vermietung einer Wohnung an Menschen, die sonst vielleicht keine bekämen, im Ferientagheim, beim Maultaschenessen oder bei Metzingen chauffiert…

In einem Kinderlied, das ich sehr mag, heißt es: Wer nicht singen kann, der summt halt, wer nicht summen kann, der brummt halt, wer nicht brummen kann, der klatscht halt. HAUPTSACHE, DU BIST DABEI!

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