Manche fragen mich das: Warum machst du so viele Beerdigungen? Bist du wirklich gern Trauerredner? Ist das nicht deprimierend?

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Ja, manchmal ist es deprimierend und ich bin froh, wenn ich von einem Trauergespräch oder einer Beisetzung zurückfahre und im Auto noch ein bisschen Zeit habe, um zu beten, mir das aufgenommene Leid von der Seele zu reden. Ich bin dankbar, dass ich oft spüren kann, dass Gott dann da ist. Und ich meine immer wieder, dass er mich bestätigt und mir sagt: „Das ist gut, dass du mitfühlst. Das ist richtig, dass du nicht abstumpfst. Wenn es so weit kommt, dass du nichts mehr empfindest, dann musst du aufhören.“  Und er nimmt mir die Belastung.

Meist bin ich aber einfach und gern Trauerredner. Denn oft bekomme ich natürlich auch Bestätigung von den Angehörigen, Freunden und Trauergästen. Eigentlich ist es schon ein Lob, wenn die Menschen auf dem Friedhof „Auf Wiedersehen“ zu mir sagen – denn sie kennen mich ja meist nur als den, den man auf dem Friedhof trifft.

Ein wirklich großes Lob ist es, wenn ich gefragt werde, ob ich mit der Verstorbenen oder dem Verstorbenen schon lange befreundet war. Dann weiß ich, dass ich im Trauergespräch gut zugehört habe, in dem ich das erste Mal etwas über diesen Menschen erfahren habe.

IMG_8140 (1)Die Beisetzung ist ein sehr wesentlicher Schritt für die meisten, die Abschied nehmen müssen, doch so wichtig die Trauerfeier auch ist, das Trauergespräch im Vorfeld ist manches Mal der Punkt, an dem die wirklich wichtigen Dinge für die nächsten Menschen des Verstorbenen passieren: Sie schauen hinter eine Zeit der Pflege zurück auf den lebensfrohen Menschen, sie werden sich bewusst, welche Prägung sie mitbekommen haben, sie gehen einen Schritt in Richtung Versöhnung oder werden sich bewusst, über was alles nie geredet wurde…

Ich bin immer dankbar, wenn ich nach so einem Gespräch verabschiedet werde mit den Worten: „Jetzt ist mir leicher!“ oder „Ich hatte Angst vor dem Gespräch, aber wir konnten ja sogar miteinander lachen – das wäre ganz nach seinem Geschmack gewesen…“

Ich bin bin froh und dankbar, wenn es gelingt, dass das Leben, um das es geht, und der Mensch, um den es geht, gewürdigt werden.

Mein bisher eindrücklichstes Lob habe ich von einem gestandenen Mann ohne Hang zur Sentimentalität bekommen: „Herr Roth, nach unserem Gespräch habe ich gesagt: Jetzt habe ich meine Mutter wieder!“

Da habe ich fast geweint vor Glück.