IMG_9207 (1)Ich kann es gut verstehen, wenn jemand fragt, wie Gott, der doch Liebe sein soll, das ganze Leid auf der Welt zulassen kann. Ich kann es verstehen, dass man so fragt. Und: Nein, ich versuche jetzt nicht das Leid aufzuzählen und dann zu erklären, was Gott sich wohl gedacht haben mag. Denn ich verstehe es nicht.

Ich verstehe nicht einmal mein Smartphone. Mein eigenes Verhalten verstehe ich auch nicht immer (und andere tun sich manchmal auch schwer damit). Ich verstehe so viel nicht. Warum sollte ich dann ausgerechnet die Gedanken Gottes verstehen. Wenn er Gott ist, dann sind seine Gedanken so viel höher als meine Gedanken und seine Pläne für mich zu komplex. Was ich sagen kann: Der „liebe Gott“, der nur dafür da ist, dass es mir gut geht, den gibt es nicht. Das wäre auch ein „Göttchen“. Ein Talisman. An so etwas glaube ich nicht.

Aber der Gott, der liebt und der an meiner Seite ist, der ist mir bekannt. Der Gott, der da ist, wenn ich allein, verstört, kraftlos, vom Leben gebeutelt und von Menschen im Stich gelassen bin, der ist mir vertraut. Mit dem habe ich täglich zu tun. Zu diesem Gott spreche ich und immer wieder meldet er sich selbst zu Wort mit einem kleinen oder großen Wunder und einem Zeichen seiner Liebe.

Ich verstehe ihn nicht immer. Aber er versteht mich. Immer.

Er ist der Gott, der Liebe ist. Aber nicht der „liebe Gott“. Den „lieben Gott“, den gibt es nicht.

Dieser Text ist als „Angedacht“ am 24. Februar 2018 in der Südwestpresse, Metzinger-Uracher Volksblatt erschienen. Veröffentlichung – auch in Teilen – nur mit Erlaubnis des Autors (c) David Andreas Roth