Ein Glaubensbekenntnis. Ein Beitrag auf SWR1 und SWR4.

Ich mag ja das Glaubensbekenntnis, aber wenn ich selbst ein Glaubensbekenntnis formulieren sollte, dann könnte ich nicht einfach die alten Worte nehmen. Ich müsste Worte nehmen, die zu mir passen, die etwas vom Leben erzählen und von dem, was ich mit Gott erlebt habe.

Ich glaube an Gott, der mich unendlich liebt und der eines Tages dachte: Der da, der fehlt mir noch auf meiner schönen Erde. Und dann hat er mich gemacht. Und hat mich geliebt von der ersten Sekunde meines Lebens an, ach was, schon viel früher.

Ich glaube an Gott, der alle Menschen liebt lange bevor sie selbst wissen, wer sie sind, und der sie auch dann liebt, wenn sie nicht wissen, wer sie sind. Und der sie mit einer bewussten Entscheidung in diese Welt gesetzt hat. Das haben nicht zwei Menschen getan, das ist weder Biologie noch Chemie, das ist „magic“. So bin ich entstanden, so erlebe ich Gott. Ich bin einer von Millionen von Millionen von Millionen von Menschen. Und ich bin ihm wichtig, weil ich sein eigen Fleisch und Blut, sein Kind bin. Und das ist der Gott und Vater, an den ich glaube.

2013_1216Ausflüge0031Ich glaube an Gott, der nicht wegsieht. Ich glaube an Gott, der an meiner Seite war in der dunkelsten Stunde meines Lebens. Der sich nicht zu schade ist, sein Leben aufzugeben, damit ich leben kann. Ich glaube an den Gott, der nicht wegsieht, wenn’s seinen Menschen wehtut, sondern mitten hineingeht in den Schmerz, in die Verlassenheit, in die Einsamkeit, in die Schuld. Ich glaube an den, der nicht wegsieht, sondern mit mir fragt: Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich glaube an den, der die Menschen kennt, weil er selbst einer wie sie geworden ist und sie versteht und nicht wegsieht, sondern befreit. Ich glaube an den, der mir zeigt, wie auch ich frei leben kann mit klarem Blick. Und das ist der Sohn, Jesus, der Herr, an den ich glaube.

Ich glaube an Gott, der in mir Raum gewinnt und mich zur Entfaltung bringt, der mich verbindet mit Gott selbst und mich begeistert, mir Atem gibt in atemlosen Zeiten, beim Feiern wie beim Trauern, beim Lieben und beim Arbeiten auch.

Ich glaube an den Gott, der mich mit anderen Menschen verbunden hat zu einem gemeinsamen Ziel und mir Leben schenkt und Trost und Energie, Geduld, Lebenskraft und Vergebungsbereitschaft, Liebe und den Mut, selbstlos zu sein ohne mich selbst zu verlieren.

Ich glaube an den, den ich nicht suchen muss, weil er mich gefunden hat und an den, der ein Teil von mir geworden ist, damit ich Teil von ihm werden kann. Ich glaube an den, der mich beseelt und mir von innen heraus zeigt, dass ich nie allein bin. Und das ist der Geist, an den ich glaube.

Dieser Beitrag wurde am 19. Mai 2017 als Anstoß/Morgengedanke auf SWR1 und SWR4 gesendet. Die Verwendung, auch auszugsweise, bedarf der Zustimmung des Autors (c) David Andreas Roth
Dem Beitrag liegt die Bibelstelle Johannes 16,16-28 zugrunde.