Nicht immer ist der Abschied von der Kindlichkeit falsch. Ein Gedanke, veröffentlicht als Angedacht/Kirchenwort in der Südwestpresse (Metzinger Volksblatt/Albbote)

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„Früher, als ich noch ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, ich fühlte und dachte wie ein Kind.“ In der Bibel steht dieser nachdenkliche Satz, der nicht dazu führt, dass nun das Kindliche als besonders erstrebenswert dargestellt würde. Wir waren als Kinder wie wir eben waren.

Wenn wir älter werden, vergeht Vieles davon. Und so geht der Gedankengang auch weiter: „Als ich dann aber erwachsen war, habe ich die kindlichen Vorstellungen abgelegt.“
Ein Vorrecht der Kinder ist es, dass sie vieles zu wissen meinen. Ich habe vor Kurzem gehört wie ein Fünfjähriger seinem Vater erklärt hat, dass der Himmel nichts anderes ist als eine Suppe. Und die Sterne sind eigentlich Nudeln, die in dieser Suppe schwimmen. Er hat das aber nicht erfunden oder geglaubt, er hat es gewusst! Felsenfest.
Mit der Zeit legen wir solche kindlichen Vorstellungen ab. Nicht nur die Vorstellung von der Himmelssuppe, sondern die Vorstellung, wir wüssten alles!

Ausgerechnet in der Bibel wird genau das auf den Glauben angewandt: „Jetzt sehen wir nur ein unklares Bild wie in einem trüben Spiegel. Jetzt kennen wir Gott nur unvollkommen; dann aber werden wir Gott völlig kennen, so wie er uns jetzt schon kennt.“
Es ist als wollte die Bibel fragen: „Weißt du noch? Oder glaubst du schon?“ Es tut so gut, ein Mensch zu sein, der fragt und zweifelt und sein Wissen infrage stellt. Und das hat nicht nur mit kindlichem Entdeckergeist zu tun, sondern mit Erwachsenwerden. Weil Gott, wenn er wirklich Gott ist, größer ist als unser Verstand es je fassen kann.
Weißt du noch oder glaubst du schon? Glauben heißt nicht wissen. Glauben heißt, Gott nicht vollkommen zu kennen, aber dennoch mit ihm zu leben, weil er dich kennt.

Dieser Beitrag ist als Angedacht in der Südwestpresse, Metzinger Volksblatt, und in der Südwestpresse, Albbote, am 11. Februar 2017 erschienen. Wiedergabe, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Freigabe durch den Autor. (c) David Andreas Roth