book-610334_1920Seit etwa 4 Jahrzehnten lese ich die Bibel. Und die Faszination hat für mich nie aufgehört. Eigentlich ist die Bibel ja nicht ein Buch, sondern eine Sammlung von Büchern. 39 Bücher sind es im ersten Teil, dem sogenannten Alten Testament. Und 27 folgen dann noch im Neuen Testament. Ich persönlich lese sie am liebsten in einer neueren Übersetzung, weil ich da gleich verstehen kann, was gemeint ist und nicht noch die Hürde einer veralteten Sprache habe.

Im Moment lese ich im Buch „Sacharja“. Das ist ein ziemlich geheimnisvolles Prophetenbüchlein das Alten Testaments. Es stammt aus einer dunklen, kriegerischen Zeit vor Christi Geburt. Aber zwischendrin stehen mitten in diesem geheimnisvollen Büchlein Sätze wie diese: „Richtet gerecht und erweist einander Liebe und Erbarmen, unterdrückt nicht Witwen und Waisen, Fremde und Arme, und heckt nicht immer neue Pläne aus, um einander zu schaden! Ihr seid doch alle Brüder und Schwestern!“

Tausende von Jahren schon stehen solche Sätze in der Bibel. Und dann passiert „es“ plötzlich: Die Worte und Sätze erreichen mich so, dass ich spüren kann: Die sind für mich! Die haben mir etwas zu sagen. Diese Sätze fordern mich heraus, andere bestätigen und beruhigen mich. Wieder andere geben Antworten auf Fragen, die mich bewegen.

Deshalb lese ich die Bibel auch nach Jahrzehnten noch so gerne. Ich lese sie nicht einfach durch, sondern lese und warte, dass „es“ passiert. Und „es“ passiert nicht jedes Mal. Es geschieht nicht, wenn ich es will, sondern einfach immer wieder. Das ist ein Teil der Faszination. Und warum ich das schreibe? Weil ich glaube, dass es sich lohnt, es selbst auszuprobieren.

Dieser Beitrag von mir ist am 13. August 2016 im Reutlinger Generalanzeiger (GEA) erschienen. Veröffentlichung, auch in Auszügen, nur nach Freigabe durch mich. (c) David Andreas Roth