Ein einziges höfliches Wort kann einen ganzen Tag erhellen.

Ein einziges Wort kann einen ganzen Tag hell machen. Das ist wirklich wahr. Das Wort „Danke“ hat erst vor kurzem auf mich genau diese Wirkung gehabt. Es hat meinen Tag hell gemacht.

Ich kenne Boris jetzt schon ein paar Monate. Seit er in der Flüchtlingsunterkunft angekommen ist, haben wir immer wieder einmal Kontakt. Der achtjährige Roma-Junge mit den großen, dunklen Augen hat in der kurzen Zeit schon recht gut Deutsch gelernt. So kann er mir auch an diesem Abend helfen, als ich mich mit seinem Vater unterhalten will. Dem fällt die deutsche Sprache viel schwerer. Wir unterhalten uns darüber, wie sie in Serbien gelebt haben. Und Boris übersetzt. Dank des Jungen verstehen wir Männer, was wir einander sagen wollen.

Später habe ich Boris gesagt, wie wichtig es ist, dass er so schlau ist. „Schlau?“ fragt er. Er kennt das Wort noch nicht. Ich sage: „Ja, schlau. Das heißt so viel wie klug.“ Das Wort kennt er auch nicht. Mir fällt ein Wort ein, dass ich so ähnlich schon auf Serbisch gehört habe: „Intelligent“. Das versteht er! Und er schaut mich einfach nur an mit seinen großen Augen und sagt: „Danke.“

Nur dieses eine Wort. „Danke“ In diesem Moment ist es für mich hell geworden. Dieser Mensch, der einfach höflich das tut, was naheliegt, er hat mir mit diesem einen Wort den Abend und den ganzen nächsten Tag hell gemacht.

An den darauf folgenden Tagen habe ich selber anderen Menschen für jede Kleinigkeit ein „Danke“ gesagt. Vielleicht hat das ihnen auch den Tag hell gemacht.

Boris weiß von all dem bis heute nichts. Und wenn ich es ihm erzählen würde, könnte er wahrscheinlich gar nicht verstehen, was daran Besonderes sein soll. Es gibt ja auch keine vernünftige Erklärung für die Wirkung, die das kleine Wort „Danke“ auf mich hatte.

Später habe ich darüber nachgedacht:

Wie oft hat wohl eine Kleinigkeit, die ich gesagt oder getan habe, eine ähnliche Wirkung gehabt? Wie oft ich wohl schon jemandem den Tag hell gemacht habe – wenn ich einfach das Naheliegende, Höfliche und Freundliche getan habe? Und jeden Tag gibt es wieder unzählige Gelegenheiten dafür! Wie schön!

Dieser Beitrag wurde am 15. Oktober 2015 als Abendgedanke auf SWR4 gesendet. (c) David Andreas Roth Wiedergabe auch in Ausschnitten nur nach vorheriger Zustimmung des Autors.