Kohle, Erz und Wasser – Anfänge und Enden

St.Antony 011An allen Ecken und Enden begegnen wir dem, was das Ruhrgebiet ausmacht. An verschiedenen Stellen haben wir etwas tiefer hineingeschaut in das, was erst seit den 1920er Jahren Ruhrgebiet genannt wird. Wir haben festgestellt, dass es seine besondere Identität durch drei Rohstoffe bekommen hat: Kohle, Erz und Wasser. Und wir haben festgestellt, dass damit die Geschichte erst ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts beschrieben ist. Die Industrialisierung ist eigentlich eine Unterbrechung, ein gewaltsamer Bruch der Geschichte der Regionen gewesen, die heute als Ruhrgebiet verstanden werden. Ein Bruch, der sich angekündigt hat und selbst auch eine – kurze – Vorgeschichte hatte, bevor er mit Macht alles veränderte.

Die Wiege der Ruhrindustrie – die St.Antony-Hütte in Oberhausen

Wie dem auch sei, wir haben einiges lernen können – in Oberhausen standen wir an der Wiege der Ruhrindustrie.

St.Antony 001St. Antony heißt die Hütte, in der „alles begann“ und die Präsentation dieser Hütte ist einen Ausflug wert. Staunen, Kopfschütteln, Aha-Erlebnisse und Schmunzeln sind nur einige der Reaktionen gewesen, die das kleine Museum mit Freigelände bei mir ausgelöst hat.

Das Haus, in dem die Direktoren gewohnt haben, ist mit seinen Anbauten das einzige Gebäude, das heute noch von der Hütte steht, die bereits 1757 das erste Mal Roheisen produziert hat.

Dazu brauchte es Erz, Holz und Wasser. Das Wasser lässt sich heute noch im idyllisch angelegten Stausee bestaunen, das Holz (aus dem Holzkohle gemacht wurde) ist zwischenzeitlich nachgewachsen und Eisenerz liegt wohl immer noch unter der Grasnarbe, denn hier wurde Raseneisenerz gefördert. Erz also, das – sehr unrein – nur einen Spatenstich unter der Oberfläche als dünne Schicht zu finden war.

Wie römische RuiSt.Antony 014nen

Wie präsentiert man Ruinen? Denn die Hütte ist bereits 1843 als Hütte geschlossen worden – als es andernorts erst wirklich losging. Dementsprechend sind von ihr und auch von der Eisengießerei, die 1877 dicht machte, nur noch die Grundmauern übrig. Und die lagen verschüttet und überwuchert unter der Erde. Die Ausgrabung und die Präsentation erfolgte genau wie wir das von römischne Ruinen kennen – vorsichtig und Schicht für Schicht wurde abgetragen, ein Steg wurde über den gesamten Grundriss geplant und über das Ganze ein Schutzdach gezogen, um vor weiterer Verwitterung zu schützen.

Schön ist das Dach auch noch geworden, einige Preise hat die Konstruktion, die aus zum Thema passenden Materialien hergestellt ist, gewonnen.St.Antony 026

Mit 3D-Filmen wird unter diesem Schutzdach gezeigt, wie die Produktion stattgefunden hat, was den Standort so besonders machte und auch, welche Neuerungen die Qualität der Produkte dann nach und nach verbesserten.

Die Hintergründe dazu erfährt man dann im zweiten Teil der Ausstellung, im Haus.

Früher Kapitalismus, Anfänge der Industrialisierung

St.Antony 029Dort wird Geschichte aus Geschichtchen zusammengesetzt, was mir sehr gefallen hat. Und es gibt genug solcher Geschichtchen rund um St. Antony!

Wie man überhaupt an die Nutzungsrechte kam – dass Westfälischer Schinken Mitte des 18.Jahrhunderts ein wertvolles Bestechungsgeschenk war, habe ich da erst gelernt.

Dass es fromme Umweltschützerinnen gab, aber die Nonnen als zänkische Weiber abgetan wurden – bis der Damm brach und sich alles bewahrheitete, was sie geunkt hatten…

Dass Konkurrenzkampf tatsächlich ein Kampf war, in dem man die Arbeiter der konkurrierenden Hütte schon einmal abfing und gefangen setzte…

Nur ein Ausschnitt aus den Geschichtchen der Hütte, die mit den Namen der Urgründer der Gutehoffnunghütte verbunden ist: Jacobi, Haniel, Krupp, Wenge und nicht zu vergessen die Kirche, die auch ihren nicht immer rühmlichen Anteil an den frühkapitalistischen Machenschaften hatte.

Das alles und vieles mehr wird im Haus erklärt – mit Bildern, mit Texten, mit anschaulichen Stücken aus der Geschichte.

Mit einem leichten Schaudern haben wir die Hütte verlassen… Kapitalismus